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auf der jagd nach saudischen prinzessinnen, aus meinem zweiten roman “die fülle meiner affairen”, to be published
Januar 13th, 2010 | stazol
genf, hotel de la paix. zimmer 101, wie gewohnt. balkon über den platz und zur fontäne, merci madmoiselle. he did what he could, evidemment. unten in der halle um neun fred. ein zwei meter junge, 26, habe ich die götter denn unbewußt doch angefleht, der mit mir erst einmal zum hotel hilton geht, wo ein teil der 500 araber untergebracht ist, der hofstaat von könig fahd. ein chardonnay, akzeptabel, er ein bier hinter dem hotel, pub, die ganze straße voller mercedes, ein gelbes ferrari cabrio, und jede fußgängerzone voller araberinnen und ihrer kinder, ab und zu neugieriger blick eines flaumbärtigen araberchens, dann in die bar, fred schüchtern, was sagst du, wenn er fragt was wir hier wollen, ich: guten abend, einen drink bitte. er offensichtlich beeindruckt. ganz schön ehrgeizig, der junge. sieht schnell ein, dass er mit einem tele hier nicht weit kommen wird, sondern eher eine minox braucht. vorne in der siebzigerjahre verspiegelten pornolobby vom allerfeinsten erst mal zwei prinzessinnen, die auf nichts bestimmtes warten, dann ein haufen prinzen, dann nichts, nur sessel in rot, die aussehen wie rote lippen oder münder. unglaublich gelangweilte dicke männer stehen herum, der champagner kostet 17 franken, sein cocktail 22, wir radebrechen zwischen meinem noch nicht ganz fließenden französisch, er auf stöckelnden englisch. süß, mein zwei meter mann. er schon vorhin, auf die frage, wie ich ihn erkenne, naja, ich bin zwei meter, und ich, oh, i like that. bei mouawad dem leibjuwelier des saudis ein fliehendes pferd aus jade auf rotgoldenem boden, groß wie ein kofferradio, auf ein hindernis aus türkis, jaspis und perlmutt zupringend, von brillantbesetzten bäumen flankiert, daneben eine schale aus bergkristall und eine aus ausgehöltem rosenquarz, groß wie ein kinderkopf, edelsteinbesetzt, und ein spiegel mit goldenem ständer, von rubin blütenranken, saphiren und smaragden besetzt, kleines mitbringsel für die prinzchen daheim, jedes ne million, schnell geschätzt, währung? was sie wollen.
dann mit fred ins rotlichtviertel, wo er ein paar schwere jungs kennt, weil die araber ganz offensichtlich rauhe mengen von dildos, dvds und girls einkaufen. ins sex center, aber keiner der chefs ist da, dafür marodieren tatsächlich einige der flaumbärte und fetten männer von vorhin unschlüssig durch die gassen, vorbei an lackkgewandeten afrikannerinnen und bleistiftdünnen marrokanerinnen (die sind billiger). fred sagt, wir sollen hinterher, ich sehe uns schon in riad ausgepeitscht, da kommen sie heraus und gehen in unseren laden. kurz danach kommt einer der chefs, eine ziemliche schwuchtel, der uns sagt, wir seien tot, wir merken es nur noch nicht. ausgeschlossen, die araber zu fotografieren, unmöglich, vier, fünf corps de garde, leibwachen wörtlich, pro prinzessin, sie riefen immer an, einmal pro woche, und er müsse den ganzen laden dicht machen. jeder, der sich den maschinen auf dem flughafen, den ersten acht des königs, den weiteren sechs eine woche später, und den drei der königinmutter nähere, würde erschossen. als ein mädchen auf der suite nicht spurte, warfen sie sechs leibgarden aus dem fenster, oder einer eine sechs stockwerke tief, das wisse er jetzt nicht so genau, und nein, er würde mir nicht sagen, was sie wollen, das seien seine kunden, und er sei diskret, excusez moi, monsieur. dann geht er, und freddy lacht ein wenig und sagt, merde, ich habe auf dem flughafen gearbeitet und stand fünf meter vom flieger entfernt und lebe ja offensichtlich noch, und ich sage, stimmt, du lebst ja noch, hahaha, und er sagt, er hat mit einem der fahrer seiner majestät geredet, einer mit dem abzeichen des königs im ausweis, und der sagt, es seien gar nicht 20 millionen franken ausgegeben worden, seitdem der könig hier wieder wohnt mit seinem kaputten knie, sondern 40. dann kommt der andere besitzer, Jerome, auch schwul, und er sagt, was denn, die araber, die seien doch alle asexuell, denen genüge die vorstellung sie könnten drei blondinen auf einmal haben, das sei so in der kultur, und woher denn, da kämen keine gruppen in dunklen limos und gäben geld aus für ein stockwerk girls, geld bezahlen für frauen würde sie voll beschämen, das sei reine phantasie bei ihnen, und überhaupt: genf sei ja eh viel zu klein, die nehmen flieger nach london, paris und new york. eric hat aber doch gesagt, die bringen uns um, wenn wir ihnen zu nahe treten, egal, ob wir nen pass haben, und die polizei gucke weg, weil die soviel geld haben. quatsch, meint Jerome, wenn ihr soviel kohle hättet, würdet ihr da in dieses kaff kommen, guckt euch doch um, und dann scheucht er eine der dunklen boyladies von meiner seite, nein, das sind keine kunden, das sind journalisten, und freddy eine vom wirklich beachtlichen schoß, und der ist ganz aufgeregt und sagt, mein gott, die kann mir gefährlich werden, und ich sage ihm, junge, das ist ein junge, und ob er eigentlich sicher sei, dass er hetero sei. the story of my life. er absolument, und ich weiß nicht, ob er auf dem rückweg ins hotel ein wenig stiller geworden ist, als er mir die hand gibt. wir haben ja jetzt zwei genau konträre aussagen, denke ich. Jerome meint, die saudis wollten in europa ganz normale bürger sein, das sei ihr traum und dass sich da seit einer generation unheimlich was getan hätte, und ich denke an al quaeda und dass er wahrscheinlich recht hat damit, dass die einfach nur wirklich weit gereist sind und weltgewandt, und in mir wahrscheinlich den dekadentesten sproß des vernichtungswürdigen westens und glaube die ganze zeit auf dem weg zum hotel, gleich fliegt mein kopf auf die straße, mit dem krummschwert entfernt, aus fahrendem sel, und rollt in den rinnstein mit dem ausdruck leichten entzückens, weil ich noch glaube, es sei freddy, der es sich anders überlegt hat, und morgen kommt in aller frühe ein sauberer schweizer straßenfeger und bringt mich auf den journalisten-friedhof gleich hinter calvin. wenn du hier eine dummheit machst, sagt jerome, weiß es morgen doch die ganze stadt, der könig ist hier nur wegen der guten ärzte, und wenn der könig stirbt, dann ciao, genève.
fünf uhr, die sonne dämmert über dem lac leman und ich kann fast das barschelzimmer sehen im beau rivage gegenüber. muß immerzu an freddy denken, und auch ein wenig an roman, weil sich die beiden so ähnlich sind und sehen, dann an kim, der doch tatsächlich die güte gehabt hat zu mir zu sagen, er sei langsam sauer, dass ich immer soviel rumreise und wir uns überhaupt nicht mehr sähen. ein geige im fernsehen spielt irgendwas von vivaldi, schaff ich auch noch, hoffe ich. nehme ein bad, lasse die balkontür offen, der bewaffnete mann unten wird wohl den eindringling schon erschiessen, solte denn jemand wirklich mich armes kleines engelchen abknallen wollen, alles nur wegen der knie eines welken königs. was ist das faszinosum an einem weitestenteils abgrundhäßlichen volk, das schon in der history of the house of saud von robert lacey sehr ironisch beschrieben wird? fange den neuen fay weldon roman an, die fahnen werden naß, fängt gut an, lenkt mich aber momentan zu sehr ab. breche jetzt also mit meiner privatheit ab und entdecke plötzlich, dass die decke tatsächlich himmelblau mit dem kronleuchter kooperiert. unendlich dämliche mail meiner tante, die sich an meinem verhalten stört, ich schreibe dito, meine aber eigentlich tito, und frage mich, wie es einer einzigen frau gelingen kann, nur über email so unendlich unsympathisch zu sein, dass ich wahrscheinlich nicht mal zu ihrer grablegung kommen werde. muß unbedingt die gruft erweitern lassen. es dämmert draußen unbeeindruckbar weiter. habe endlich aufgehört, mich zu hassen. in dieser woche fast mit drei männern geschlafen. schon wieder terroranschlag in israel, das langweilt. manuskript JETZT schon ein fünftel der erstlings, muß mich ranhalten, dann bin ich in drei wochen fertig. womit? womit? cnn an, warum eigentlich auch. versuche, noch ne mütze schlaf zu bekommen. hände tun weh vom tippen.
noch immer schmilzen mir die auge vom palast des königs fahd, der hellerleuchtet und mit mindestens sechzig limousinen vollgestopfter einfahrt hellerleuchtet vor uns mitten im dunkeln, nachdem gilles dupont und champagner in seinem restaurant, einem der besten der welt, zweifellos, und er uns eben zurückweist mit unseren verdächtigungen, die seien alle ganz normal, die araber. wie sehr, she ich in der rue du rhone, als eine arme prinzessin die dreißig meter von juwelier zu juwelier im mercedes zurücklegen muß und vor dem fenster wirklich eine art negersklavin warten muß auf prinzesschens rückkehr. Kim auch total müde, ruft aber an, wie schön und fragt, ob er stört. nein sage ich, nichts im vergleich zu den sekunden, als freddy die prinzessin im inneren des ladens ablichten wollte, durchs panzerglas, bei piaget, und ich aus lauter panik erst olli in hamburg anrufe und freddy mich an der hüfte in schußposition führt, am geschmeide vorbei, und ich glaube, wir werden gleich von den ghurkas geschlachtet, die königliche hoheit so mit sich führen. drinnen ein baguette-diamant von 42,92 karat, groß wie ein lutschbonbon, kolliers, birnengroß, aber sie kauft uhren, uhren, und sofort wird ihr aufgetan und die bodyguards trennen sie von der straße. ihr mercedes s 500, DN-XX-5534 fährt mindestens zehn mal die rue hinab, immer bereit, immer auf dem sprung. doch der reihe nach:
gehe am frühen morgen, der portier nimmt meinen aufzeichnungen entgegen und sendet sie nach köln, mit dem ansinnen, meinem lektor noch ein stück vorzustellen, ins norga hilton, es ist recht früh, und draußen steht noch immer der mann mit der maschinenpistole. dann zurück, freddy holt mich ab und wir auf dem weg zu jean, dem agenturchef. der weist auf gerüchte, seine majestät wolle dieser tage aufbrechen, eine abreise des trosses könne in wenigen stunden erfolgen. oben im atelier wildes umhertelefonieren und entrag der königlichen residenz im park, telefonat mit dem stern bildpersonal, dass alles in ordnung, und mit den leuten von cartier in paris, mir eine goldene uhr an die rezepition zu liefern, einfach, um nicht so aufzufallen, erinnere mich plötzlich meiner roségoldenen rolex, bin beruhigt. dann los mit freddy. erst zu trocadero, einem kindermodeladen des gehobenen geschmacks, das t-shirt zu 90 franken runtergesetzt, ein badefrosch doch auch noch immer 30 franken, von den kleinen taftkleidchen zu schweigen, die besitzerin, eine art madame sousatzka, will nicht genannt sein, weil es doch in genf verschiedene taschen der gesellschaft gibt, die dem ostentativen orient einiges an calvinismus entgegenhalten, man wolle seinen recihtum nicht so zeigen. zwei einwände, ungeäußert: worin besteht die zurückhaltung, wenn ich an einem vormittag mehr goldene uhren und perlenketten guter qualität an den genfer damen und ihrem europäischen besuch erkenne, als ich zählen kann, und ist es nicht vielmehr so, dass die von wohlstand durch fleiß besessenen genfer einfach tief in ihrem weltbild erschüttert sind, wenn ein volk sich einfach nur durch geografischen umstand, das durchsetzungsvermögen ibn sauds als jungen mannes und des unvermögens der kolonialistischen widersacher seiner natürlichen ressourcen selbst erfreut, im absoluten übermaß? das haus saud verbraucht jährlich nur ein prozent des bruttosozialproduktes. überdies, so madame, habe sich vieles gebessert: vor 25 jahren sei eine prinzessin noch in den laden gekommen und habe einfach alles auf den boden geworfen, was sie haben wolle, wie im bazaar. nun käme ein prinz nun schon zum zweiten mal, und sie würde den höfliche, wohlerzogenen mann mit dem etonabschluß und dem harvarddiplom sanft darauf hinweisen, dass er dieses kleid seiner tochter gestern schon dreimal gekauft habe. die tax deduction, so er, entfiele, man reise ja mit privatjet. sowas sei die rettung der genfer geschäftswelt, jetzt, die russen ausblieben wegen der rührigen schweizer justiz, dem BBBB skandal, dem wegbleiben der südamerikaner nach der argentinienkrise udn der lage im allgemeinen. genf sei viel zu klein, um eine vergleichbare anzahl von luxusboutiquen füllen zu können, 400000 einwohner, ich bitte sie, monsieur. man dankt und nun weiter zur rue du rhône, zu davidoff, weil freddys vater dort chef war. schneller einkauf von gigantischer humidorfüllung unterschiedlichster qualitäten unter kundiger beratung durch den neuen chef, ankauf einer zigarrettenspitze, weil schnell klar ist, dass mindestens dreißig prozent skonto gewährt werden. nein monsieur, die araber rauchen nicht, man müsse jedoch zu les ambassadeur in die ausstellung von graff, wo besagter 40 karäter, gelb, in schwerster bewachung. bettina trifft ein, noch immer schön wie der morgen, lunch, besprechung, gutes entrecôte. dann in delikatesspassage, wo ein libanese bereitwillig den hersteller des könglichen brotes nennt, aber gerne, das schreiben sie jetzt aber nicht, seinen kopf behalten will. die beiden hellen, freddy und betty, hätten bei den garden keine chance, mich würde man wohl für einen levantiner halten, und würde durchgelassen. danke, teint. bei armani, rue du hône, schon beim reikommen arabische musik im lautsprechersystem, dann plötzlich die sklavin auf der straße, dunkel und geduldig, und die prinzessin, schmal und von gefährlicher eleganz. da man sie nur hinter panzerglas sieht leichter eindruck von seltenem zierfisch, der nicht ohne leibwächter und nur hinter glas existieren kann. ein armes, reiches mädchen, eigentlich. fühle mich wie der prinz im märchen, der gegen die bösen garden anreiten muß, um ihr antlitz der welt zuzuführen, vielleicht wird ja ihr leben verändert. freddy entwickelt dank leiser konica hexar eine handgelenkstechnik, die er manchmal durch husten übertönt, genial. betty und ich mutieren zum unendlich ennuyierten milliardärsehepaar mit begabtem zwei-meter-cousin, immer dann wild telefonierend, sobald die prinzessin an die luftschleusen tritt. noch nie so unverfänglich auf den bus gewartet, reiseführer gelesen oder zeitschriften entfaltet. werde übermütig und erkundige mich nach einem schachbtrett aus weißen und schwarzen diamanten, im auftrag eines kunden, werde für eine britischen erzieher gehalten und mit dem kaufpreis von 450000 dollar gelockt. die dollar hat er nach einem blick auf die rolex kurz mal aus dem franken gemacht, ich danke irritiert und wende mich ab, während sich der distinguierte juwelier hinter mir hörbar in den hintern beißt.
nach der gefährlichsten aktion erstmal freddy aspirin gekauft, vorher hat er kurz geglaubt, betty wolle von ihm eine konica-kamikaze-aktion und er solle piaget stürmen. während er unter unseren gogogo-rufen stoisch sein eis weiterisst, kläre ich das mißverständnis auf, dass durch bettys und sein englisch entsteht, finde mich dann aber zum dank selbst gewissermaßen in pearl harbour. danach völlig durchgeschwitzt, 17 uhr, rückzug ins hotel, bad, neuer anzug, neues hemd, blume ins knopfloch, 17.30 uhr treffpunkt rhônebrücken. klingt ein wenig nach preußischem generalstab, n´est-ce pas?
anschließend flanade über beau rivage, lobby, bar, restaurant, zum noga hilton, lobby, bar, restaurant, ins president wilson, wo ich schon gewohnt für die juwelenauktionen, eigentlich das beste haus am platze, grüner marmor am boden und oben die königliche suite, in die seine majestät manchmal verbracht wird, wenn der kavalkaden-konvoi 30 fährt, weil der könig schläft. betty in ihr hotel, frischmachen, ich und freddy an die terrasse am seekai, die jeunesse dorée de genève an den lippen, guter weißwein, man lagert im gras und verabredet sich für samstag zum letzten aufgebot durch die bars, wünscht bonne chasse, betty mit, nicht, ohne mir noch sehr gute karrieretips zu geben. dann zurück ins wilson und die tour retour, um von freddy ins lion d´or chauffiert zu werden, jenseits des sees, in cologny, dem besten restaurant des landes, inmitten atemberaubender villen vor nicht minder atemberaubendem seeblick, etwa so wie thomas augen, und es sich der maître, gilles dupont, nicht nehmen läßt, un coup de champagne zu kredenzen. er kocht für den könig, würde sich aber eher flambieren lassen, als es uns einzugestehen. nein, die araber seine völlig normal, äßen gerne lamm, gut durchgebraten, früher, ja da seien sie anders gewesen, sie konnten nicht lesen und schreiben und hätten mit dem finger geschnippt, weil es bei ihnen so üblich, aber das sei auch ihnen selbst so peinlich gewesen, dass sie sich sofort gebessert hätten. gerade erst hätte er sie beim jazz in montreux gesehn, wirklich ganz normale leute, sorry to have to say that, mit ausgezeichneten manieren, wirklich ausgezeichnet, man bedaure, ob wir denn schon bei den juwelieren…? oui, monsieur, merci, monsieur. blick auf die karte: filet mignon de veau élevage naturel parés de pudre d´amandes et pistaches jus au vinaigre de vin vieux et porto, jardinet et légumes à la sariette, 64 Fr. akzeptabel. auf der fahrt zum palast frage an freddy wie er seine kindheit bei mentaler stabilität verbracht haben kann, hier in genf.
dann, nach langsamer irrfahrt in der dämemrung, weg um weg hinab an hecken entlang, ein zaun, der kein tor, eine mauer, die keine einfriedung mehr findet, ein anwesen, groß, wie ein fürstentum. irgendwo weit hinten lichtschimmern durch das dichte grün. und eine biegung später, schwer, schwer einzusehen, liegt er da, der palast: hunderte meter lang, ein meer von dienstbaren geistern stehen in der nacht, mindestens sechzig wagen, ich erwähnte es, und ein wenig trauer liegt über ihm, weil nun ganz klar ist, dass unendlicher, grandioser krösushafter reichtum den tod nicht besiegen kann, dass der könig von saudi arabien in all seiner pracht letztlich seiner zerbrechlichsten prinzessin gleicht: einem flüchtigen traum unter glas.
hat nicht george bush beim berlinbesuch von der glasglocke gesprochen? haben sich ganze gesellschaftsschichten dahinter zurückgezogen? arme, arme prinzessin, die du nicht an den see darfst, wo die anderen kinder, die gerne deine freunde wären, spielen, die jeunesse dorée genfs, wo dir sicherlich ein mann gefallen würde, wo du einen bankierssohn lieben würdest in seinem gestärkt lässigen hemd, dem schönen gesicht und dem federnd-sportlichen brustkorb, und der dich lieben würde so sehr, dass er dir eine weiße villa schenkte nicht weit vom lion d´or wie aus tausendundeiner nacht. du darfst ihn, du darfst sie nicht haben. weil dein vater, dein großvater, dein urgroßvater, wir wissen es nicht, der könig ist und beherrscher der gläubigen, ibn saud, herrscher über riad, gepriesen sei sein name.
zu bett. Kim rief an. müde, unendlich müde. glücklich, so frei zu sein.
Der bodyguard :
Ich arbeite seit drei monaten für den könig oder für den kronprinzen, also den bruder des königs, meine ausbildung habe ich vor jahren gemancht, manchmal bin ich auch für politiker zuständig. Das einzige, was ich mit ihnen spreche ist, Ist ihnen kalt oder ist ihnen warm. Mehr nicht. Wir werden vom saudischen staat bezahlt, sind eine privatfirma. Es leben etwa 20 personen im palast, keine frauen, keine kinder, die kinder komen nur zu besuch. Am abend macht der kranke könig vor dem zubettgehen gerne eine ausfahrt durch den park, der aussieht wie versailles, es gibt dort wasserspiele, in seiner limousine, er wird dann von einem enkel, einem sohn oder einem besucher begleitet. Dann geht er zu bett. Wenn ich nachtschicht habe, steht mir ein apartment zur verfügung, zu essen gibt es für uns immer reis, und natürlich die reste der bankette, meistens mouton, huhn und andres fleisch, zubereitet von seinen leibköchen. die patisserien werden geliefert. Eine schicht dauert höchstenfalls 12 stunden, weil wir ja in form sein müssen. Wir sind pro palast, es gibt zwei, je 14 wächter. Wir sind aber nur in den küchen zugelassen. Ich habe noch nie eines der zimmer betreten – die sind off limits. In der tiefgarage des palastes stehen etwa 20 ferraris und nochmal soviele lamborghini diabolo, die nie berührt werden. Nur zweimal im jahr werden sie zur inspektion gefahren. ein hobby des königs. Ich spreche nur französisch, der könig englisch und saudi-arabisch. Wir erfahren, ob eine person erwünscht ist von einem saudischen colonel, den wir anrufen müssen, ansonsten achten wir darauf, dass es keine bittsteller, aggressoren oder angreifer in seiner nähe gibt. Natürlich müssen wir die schweizer gesetze achten und haben keine lizenz zu töten. Ich verdiene zwischen 1000 und 2000 franken am tag, das hängt von der länge des dienstes, den betreuten personen, ihrer anzahl und dem risiko ab. Wir sind mit pistolen und gas-pistolen ausgestattet. Normalerweise kommen auf einen prinzen etwa 14 personen begleitung. Vier sind immer bei ihm, immer. Es gibt zwei gepanzerte fahrzeuge, mit denen die höchststehenden personen unterwegs sind, die familie bewegt sich andauernd um den see. Es gibt keine tiere im palast. Wann es losgeht, erfahren wir erst im letzten moment, und dann legen wir die route fest. Sie treffen sich mit politikern, gehen shopping, am liebsten zu cartier, viel zu rolex und armani. Nach jedem auftrag bekommen wir geschenke, geld oder uhren, das gilt als normal. manchmal warten wir den ganzen tag und nichts passiert, dann ist der job langweilig, sonst sind die araber sehr angenehm im umgang. Da sie sehr religiös sind, werden die prinzen zum freitagsgebet nach genf in die moschee gefahren.
Moschee du grand saconnex, 13 Uhr: etwa 3200 gläubige freitags, fünf prinzen, der minister für agrikultur, der ehemalige informationsminister, eine unendliche autokolonne auf dem linksabbieger. Die moschee ist aus weissem marmor, ein springbrunnen steht davor, alles ist voller schuhe. Ein kleines mädchen, etwa fünf jahre alt, isst chips, während ihr vater betet, er lässt keine hand von ihr, sie trägt ein weisses kleid mit rotem apfelmuster. Vorne betet der imam von genf, der vor allem für seine traumdeutung berühmt ist. Gerade spricht er von der verantwortung, die den medien zukommt, alle blicke richten sich auf mich, weil natürlich jeder weiss, dass der stern eingeladen ist. Nein, eigentlich nur, dass ich da bin. Während des gottesdienstes rufen viele leibwächter den chef der moschee an, um sich zu vergewissern, dass alles in ordnung ist. Man kann davon ausgehen, dass die saudische familie von unserem hiersein unterrichtet ist, später wird sich der saudische general-konsul vorstellen, auf der strasse, und auch der landwirtschaftsminister. Nun aber gehen sie erst mal alle zu boden, jeder murmelt seine koransuren. Ab und zu herrscht totale stille. Dann sind die prinzen, die minister und die bettler, so sagt es M. Woirdiry, der chef der moschee, vor Allah alle gleich. Der Imam spricht von der toleranz, dass es notwendig ist für Gläubige und ungläubige, in frieden nebeneinander zu leben (war ich nicht im hotel de la paix?) , und dass es an allen menschen ist, gutes zu tun. Nach dem gottesdienst werden vor der moschee mahlzeiten verteilt, für alle, gespendet vom saudischen thronfolger, für alle, reich und arm, und ein junge reicht kalte, frische datteln auf der strasse, und jeder der will, greift zu. Einen moment lang blockiert die limousine des ministers die ganze strasse, man muss sich noch verabschieden, und jemand ruft, mein gott, er blockiert doch alles, da wollen genfer durch, die kommen nicht weiter. Eine gruppe junge männer lacht, haben sie das gehört, sowas würde in england nicht passieren, die armen schweizer.
die polizei kommt jedesmal und ticketiert die parkenden autos, warum machen die das, fragt der chef der moschee, monsieur woirdiry, wir sind hier, um ihnen was zu geben, und alles was wir wollen ist ein lächeln, warum kassieren die genfer uns hier so ab. 57 nationalitäten sind hier versammelt. Sind die neidisch, weil wir so cool sind? Er lädt uns zu getränken ein und später zum essen, von den spenden des prinzen, die mahlzeiten wurden bei dem besten türken der stadt bestellt. Er sagt, er gehe in dem palast aus und ein. Der könig sei ganz normal, und nur die europäer fänden etwas besonderes an ihm. Warum die frauen denn so verschleiert sein müssen, frage ich ihn. Und er sagt, dass manche schönheit zum schutz vor der schwachheit mancher menschen geschützt werden muss. Er bewundert meinen ring, einen hellblauen aquamarin, kirschkerngross, und sagt, er sei ausdruck meiner seele – deswegen lieben araber juwelen: es geht uns doch hier nicht ums ostentative, es geht darum, andere teilhaben zu lassen am glück, das man selbst hatte. Er selbst trägt eine weissgoldene rolex. Und einen diamanten am finger.
Es gibt einen kleinen laden mit ferngesteuerten autos und miniatureisenbahnen am ende der rhônebrücke, den die araber komplett leergekauft haben. Lingerie steht hoch im kurs bei den damen.
Beschluss, erst die spätmaschine zu nehmen, einfach, weil es netter, eleganter und wärmer, ausserdem mail, dass ranga ausfällt. Badehose umsonst angezogen, offenbar, wird aber vielleicht noch im genfer see zum einsatz kommen. Versuche vanessa zu erreichen, die schöne genferin, ereicht, und sie sagt, wenn etwas passiert, wird sie es mich wissen lassen. Jo erzählt, er hätte so etwas wie mein neues diktiergerät noch nie in händen gehabt, habe wohl schnäppchen.
Robert nortik, filmemacher, fährt eine saudische familie, gegenwärtig in paris, eine flotte von 15 mercedes und mehreren prinzen. Ich habe sie kennengelernt und habe ein vertrauensverhältnis mit ihnen, subventioniere meine kunst. 2 monate im sommer jedes jahr habe ich einen fulltime job, warten, fahren, warten, das ist sehr langweilig. Es gibt in genf ein problem, weil es nicht genügend fahrer gibt mit lizenz und führerschein, sodass häufig irgendwelche brüder und verwandte aus ägypten eingeflogen werden, leute, die keinen führerschein haben, und es drückt die preise. Ich bin zum beispiel nicht zufrieden mit den 200-500 franken am tag, manchmal gibt es bessere gigs, manchmal schlechtere. die fahrer werden richtig ausgebeutet. Sie haben überhaupt kein kulturelles interesse, und ich habe mich schon lange gefragt, wie man ihnen eine freude machen kann, aber sie haben keine freude. Es interessiert sie nicht, am ende. Nichts interessiert sie. Nur rumfahren, shopping, sich den anderen zeigen. Man kann sie vielleicht einmal für etwas begeistern kurz, aber nur einmal. Sie sind auch nicht sehr educée, weil man sich für ein studium ja anstrengen müsste – warum ? warum sollten sie sich anstrengen ? ? ? sie sind einfach zu reich. Und es gibt eigentlich nur leute, die das um sie herum ausnützen. Manchmal tun sie mir richtig leid. Doch, sie haben freunde. Wie jeder star sind sie von einer equipe umgeben, und da gibt es dann freunde der familie, die alles für sie machen, sie sind immer zusammen. Wenn es jemanden anderen gibt, der besser gefällt, nehmen sie sich den. Ich nenne das frere du lait, (ammengeschwister, etwa milchbruder, das kind eines dieners wächst neben dir auf, gleichalt, sehr feudal, anm d. verf.) es gibt einen unheimlichen run auf genf, und sogar die allerreichsten saudis können manchmal nicht mithalten um nach genf zu kommen, weil einfach kein platz mehr da ist. Dabei ist es für sie eine frage der ehre, in der nähe des königs zu sein.
Bei einer normalen shopping tour trägt dieser freund dann alles, bezahlt wird cash oder credit, man sieht allerdings nie, was sie mitnehmen, immer ein mittelsmann, intermediere, un voleur de vol, (der diebs des diebes). Nichts interessiert sie wirklich.
Da gleichen die araber doch tatsächlich der mtv generation, wahrscheinlich sogar sind sie deren direkte entsprechung, und man wird sich fragen dürfen, welche konsequenzen der volle wohlstand für eine gesellschaft haben dürfte. Deren einziges ziel offensichtlich die fortführung des wohlstandes ist.
berlin revisited
Dezember 16th, 2009 | stazol
auf dem booklaunch von esther haases buch rock´n´old im department store quartier 206, sybilla pavenstedt trägt grün, kaufe rotes smythson notizbuch mit dem wort top secret auf dem roten ledereinband, die nur dort noch zu haben sind, schon queen victoria benutzte sie, ungeahnt viele blaue seiten aus banknotenpapier mit wasserzeichen, liniert. man kann das buch rollen und falten seit 1890, es ist handgebunden und der einband wird besser mit der zeit. zum cheltenham-rennen keine zeit, dann in die modelsuite, sehr schön, auguststrasse 48, hotel amano, mon favourit, in dem mein favori logiert, schöne bar. die menschen sonst auf der strasse entsetzlich gekleidet und die u2 in inakzeptabel enger sitzanordnung, empfehle taxi und das alhambra nahe der eberswalder strasse, wasserpfeife auf divan und lammkoteletts libanesisch, gutes publikum. f.c. gundlach im gropiusbau verpasst, dafür nofretete im neuen museum besucht, nochmal dank an david chipperfield. übrigens: die österreicher ziehen ins norwegerviertel, bauen schlafkojen in grosse ateliers und tragen schiebermützen (!). sie besuchen jazzkonzerte und sind selten ohne holzbrett und bohrmaschine anzutreffen. doch die hauptstadt irgendwie, scheint´s. fulminant, bzw.: donnerwetter!
dunhill and the george
November 23rd, 2009 | stazol
Na, das war doch mal wirklich ein gepflegter sonntagnachmittag, finde ich: ein paar freunde am besten tisch, ein “schön, dass du da bist” vom veranstalter, 18 teesorten, ein glühender samowar, wundervolle cigs (mein favorit, die schwarzen fine cut) – und ein anlass, mein schottisches nightwatch-sakko (der name des karos, nomen est omen) herauszuholen. viel tweed, eine bomberjacke (o tempora, o mores!), schicke kleider, nette männer, hübsche holde, gute gespräche und die auffrischung des ein oder anderen kontakts – fehlte eigentlich nur noch der britische premier, aber man kann ja nicht alles haben…
ego und mladen solumun
November 16th, 2009 | stazol
tja, da gibt es also diesen club in der talstrasse zu hamburg, in dem einer der besten dj´s der stadt, mladen solumun, auflegt (da ich nichts von jener musikrichtung verstehe, richte ich mich nach den aussagen eines meiner kundigen jungen freunde) – was gibt es zu sagen? dass er cool eingerichtet ist, dass die blauen neonröhren an der decke im rhythmus leuchte, dass die bar sogar kirschsaft bietet, dass das treppenhaus auf zwei stockwerken mit zauberstäben und wandbedeckendem lauftext versehen ist (ein kunstwerk), dass manche jungs zuviele muckis haben und einen im gedränge schon mal anrempeln, dass der flirtfaktor hoch ist, dass die mädchen sehr hübsch sind, und dass man am besten so gegen 1.30 uhr auftaucht. ego, a must, perhaps.
Der Tulpenwahn – Episode des ästhetischen Irrsinns
März 4th, 2008 | stazol
Eines der wohl ästhetischesten Phänomene des Hypes dürfte von einer Blume ausgelöst worden sein, an sich schon ein Vehikel der zerbrechlichsten, duftigsten Schönheit: Im 17. Jahrhundert, das so reich an Ungewöhnlichem, an Aufbruch und Umbruch war, politisch, stilistisch und intellektuell – der dreissigjährige Krieg tobte durch halb Europa, der Barock begann sich durchzusetzen, und die ersten Triebe der Aufklärung gewannen Form und Halt – gelangte die Tulpe zu einem Ruhm, der in der Geschichte nicht seinesgleichen findet.Es geschah in Holland, das sich unter Wilhelm von Oranien gerade von dem Joch der Spanier befreit hatte, einem Land, das in voller Blüte stand, im Schatten der Reformation und unter dem Geldsegen des überreichen Seehandels, nicht zuletzt durch die übermächtige Ostindiencompanie. Es war das goldene Zeitalter, Rembrandt, Vermeer und Rubens schufen ihre Meisterwerke, und die Niederlande schwammen förmlich im Geld – und dies war die Vorraussetzung dafür, was sich, wie im folgenden berichtet, zwischen den Jahren 1633-1637 zutrug, dem Hype, der seitdem unter dem Namen “Der grosse Tulpenwahn” bekannt ist.Die Tulpe erblickte das Licht der Welt an den schneebedeckten Hängen des Pamirgebirges, den Tälern der Tien-shan-Berge, “dort, wo China und Tibet in einer der unwirtlichsten Gegenden der Erde auf Russland und Afghanistan stossen”, wie Mike Dash in seinem hervorragend recherchierten Buch “Der Tulpenwahn, die verrückteste Spekulation der Geschichte” (List, Berlin, 319 S., 8.95 Euro) formvollendet und erschöpfend schreibt.Es waren schlichte und kompakte Blumen mit schmalen Blütenblättern, die nur wenige Zentimeter über den Erdboden ragten, meist in Rot, unempfindlich gegen Frost und sehr gut geeignet, die rauhen Winter und trockenen Sommer in Zentralasien zu überstehen. Etwa hundertzwanzig Arten wuchsen am Pamir, Russlands Dach der Welt, dem “Himmelsgebirge” der Chinesen, dem Rückgrat Asiens, eine unüberwindbaren Barriere von mehreren tausend Kilometern Länge und hunderten Kilometern Breite. Hier waren das römische Reich an das Reich der Mitte zusammengestossen, ohne voneinander je Kenntnis zu haben, und noch heute ist es eine der am wenigsten erkundeten Gegenden der Erde. Entdeckt dürfte die Blume wohl von Nomaden auf den Gebirgspässen worden sein, die sie durchquerten, eine willkommene gelb, orange und zinnoberfarbene Abwechslung in der Wüste aus Schnee und Eis, und die wandernden Turkvölker waren es, die die zarte Pflanze, ein Symbol von Leben, Fruchtbarkeit und ein Vorbote des Frühlings, zum ersten Mal im 10. und 12. Jahrhundert zu ihrem Entzücken in Gärten vorfanden. In Persien wurde die Tulpe schon um 1050 kultiviert, sie wuchs in der alten Hauptstadt Isfahan und auch in Bagda. Der Dichter Omar Chajjam pries sie in seinen Werken als Abbild der weiblichen Schönheit, sie stand für Anmut und Wohlgestalt. Mosharref o´d-Din Sa´di beschreibt um 1250 den idealen Garten als Ort, wo “sich das Murmeln eines kleinen Bachs, Vogelsang, überreiche reife Frucht, leuchtend bunte Tulpen und duftende Rosen” zum irdischen Paradies verbinden, und der berühmteste persische Poet Hafez vergleicht den Glanz der Blütenblätter mit dem Schimmer auf der Wange seiner Geliebten. Mit anderen Worten: Die Tulpe war ein Hit.Noch Jahrhunderte danach galt rote Blüten in Persien als Symbol für unsterbliche Liebe. “Wenn ein junger Mann seiner Geliebten eine Tulpe überreicht”, schrieb im 17. Jahrhundert der Reisende John Chardin, “gibt er ihr durch die Farbe der Blume zu verstehen, dass er in tiefer Liebe zu ihrer Schönheit entbrannt ist; und ihr schwarzes unteres Ende soll ihr zeigen, dass sein Herz zu Kohle verbrannt ist.”Die frühesten bildlichen Darstellungen der Tulpe finden sich auf Kacheln, die man bei der Ausgrabung eines Palastes gefunden hat, den der Seldschukensultan Aladin Kaikubad I. im 13. Jahrhundert am Beysehir-See in Ostanatolien erbauen liess.Im Zuge des Feldzugs der Osmanen, die 1354 die Dardanellen überquerten und in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts den Balkan überrannten, folgte, wie man annimmt, der Kult der Tulpe zum ersten Mal weitere Verbreitung, auch deswegen, weil dem Islam der Garten als göttlich galt – die Religion entstammte ja den Weiten der arabischen Wüste. Die Tulpe galt den Osmanen als die Blume Gottes – in der arabischen Schrift setzt sich das Wort für sie, “lale” aus den selben Buchstaben zusammen wie “Allah”. Sie galt auch als Sinnbild der Bescheidenheit: Vollerblüht beugt sie ihr Haupt. Die Türken, die ihr Leben im Kampf opferten, rechneten fest damit, im Paradies göttliche Jungfrauen, die Wein kredenzten, und einen mit Tulpen übersäten Garten vorzufinden. Und so nahmen die Eroberer die Blüten mit, als sie in Europa einfielen. Der Siegeszug der Tulpe hatte begonnen.“Zweihundertfünfzig Jahre”, so schreibt Dash, ” bevor in den Auktionsräumen der Niederlande Blumenzwiebeln ersteigert wurden, gelangte die Tulpe ins südliche Grenzland Serbiens”. Eine christliche Armee von zehntausend Mann stand unter dem Kommando des Prinzen Lazar am St.Veits-Tag des Jahres 1389 der doppelten Anzahl osmanischer Türken unter ihrem Sultan Murat I. gegenüber. Am einem 19. Juni wurde das Schicksal des Balkans in der Gegend des heutigen Pristina für die nächsten 500 Jahre besiegelt. Die Türken siegten trotz des Todes ihre Sultans durch den Dolch eines Serben überlegen, und ein Muslim beschrieb die abgeschlagenen Köpfe der christlichen Ritter, die das Schlachtfeld übersäten, “mit einem riesigen Tulpenbeet in flammend roten und gelben Blüten.” Man nimmt an, dass Tulpen dort als Talismane der Türken tatsächlich vorhanden waren, die Osmanen hatten sich die heiligste aller Blumen im Laufe des 14. Jahrhunderts als Schutz vor Unglück auserkoren. Meist stickte man sich die Tulpe auf die Leibwäsche, wie ein schlichtes Hemd eines an der Schlacht beteiligten osmanischen Feldherrn im Museum für türkische und islamische Kunst in Istanbul noch heute bezeugt.Nach dem Fall von Byzanz im Jahre 1453 unter Mehmet dem Eroberer, liess der Sultan sich in der von Gärten durchzogenen Stadt den Topkapi-Palast erbauen, “Das Haus der Glückseligkeit”, der alles überbot, was das byzantinische Jahrtausend hervorgebracht hatte. Ein Chronist schreibt von einer “Vielfalt, Schönheit und Pracht, an jeder Seite, innen wie aussen, Gold und Silber, Ornamente aus Edelsteinen und Perlen, die im Überfluss strahlten und glänzten”. Eines jedoch kam hinzu: Der Hausherr war ein passionierter Gärtner, er werkelte höchstselbst in seinen Gärten.Sein Urenkel Suleyman der Prächtige, der 1522 den Thron bestieg, führte das osmanische Reich – und den Tulpenkult – zu nie gekannter Blüte. Seine brokatene Herrscherrobe, noch immer erhalten, ist über und über mit Blüten bestickt, in seine Rüstung waren die Blumen getrieben und seinen Helm zierten goldgefasste und mit Edelsteinen besetzte Tulpen. Die Tulpe war inzwischen die türkische Pflanze schlechthin – und in Europa noch gänzlich unbekannt.Der erste Gärtner, der sich ganz der Tulpenzucht widmete, lebte in der Regierungszeit Suleymans in der osmanischen Hauptstadt und hiess Seihulislam Ebusuus Efendi – zu einer Zeit, als die Kultivierung der Pflanze kaum bekannt war und ein beträchtliches Wagnis darstellte. Im Jahre 1630 wurden in Istanbul allerdings schon achtzig Blumenhändler und dreihundert Floristen gezählt. Und Suleymans Sohn, Sultan Selim II., ebenfalls ein begeisterter Gärtner, befahl der in Syrien gelegenen Provinz Azit 50000 Tulpenzwiebeln für seine Palastgärten zu schicken.Der schönste aller Gärten war im vierten, inneren Hof des Topkapi-Serails zu finden, zu dem nur der Herrscher und über 1000 Gärtner, die “Bostancis” Zugang hatten.Der erste Europäer, dem die Enführung der Tulpe zugeschrieben wird, gilt der Portugiese Lopo vaz de Sampayo, wie der Gärtner Charles de la Chesnée Montereul in seiner 1654 veröffentlichten Schrift “Le floriste Francois” vermerkt. Doch tatsächlich weiss niemand, wie und wann die Blume Asien verliess. Europäische
Botaniker stiessen zum ersten Mal 1560 auf die Blume, und die Forschung schreibt übereinstimmend einem gewissen Ogier Ghislain de Busbecp den Verdienst zu, die Tulpe im Westen heimisch gemacht zu haben: Im November 1554 ging Busbecq als Gesandter des kaiserlichen Hofs nach Istanbul und blieb acht Jahre dort. Er bekam dort von seinen Gastgebern einige Zwiebeln als Geschenk und zumindest im Jahr 1573 lässt sich heute sicher nachweisen, dass er Zwiebeln nach Europa geschickt hat – andere Zeugnisse belegen, dass die ersten Tulpen schon im Jahre 1559 in deutschen Gärten, in Augsburg, wo ein Ratsherr der Stadt Augsburg, Johann Heinrich Herwarth, der sie 1559 in seinem Garten hatte, und bald auch in den Beeten der Fugger, für die gesichert eine Pflanzung für das Jahr 1570 nachgewiesen werden kann. In Wien tauchte die Blume 1572 auf, 1582 gelangte sie nach England, 1593 nach Frankfurt, spätestens 1598 fand sie den Weg nach Südfrankreich,.Busbecq jedenfalls bezeichnete die Blume als “Tulipam”, weil ihre Blätter an einen gewickelten Turban erinnerten – “dulbend” bei den Türken, “tulband” für die Niederländer. Im Werk des Zürcher Naturwissenschaftler Conrad Gessner “Catalogus plantarum” taucht die Pflanze erstmals als “Tulpa turcarum” auf. Und dann trat der grösste Botaniker des 16. Jahrhunderts auf den Plan: Carolus Clusius.Im Herbst des Jahres 1562 ging in Antwerpen ein Schiff vor Anker, das Stoffe aus Istanbul geladen hatte, und irgendwo unter den Ballen fand sich ein Päckchen Tulpenzwiebeln für den Grosshändler, der damit nichts anzufangen wusste und sie sich, bis auf wenige Exemplare, mit Essig und Öl gewürzt zu Gemüte führte. Den Rest pflanzte er in seinem Gemüsegarten neben dem Kohlbeet an, und im Frühjahr 1563 blühten die ersten Tulpen in leuchtendem Gelb und Rot, die ersten, die in den Niederlanden je zu sehen waren. Ein Besucher des Gartens, Joris Rye aus Mechelen, grub einige Exemplare bei sich in die Erde, und was viel wichtiger war, schrieb einigen befreundeten Wissenschaftlern von seinem Fund, unter anderem Carolus Clusius, der sie in seinen Schriften 1570 erstmals erwähnt: Es seien “Blumen, die durch ihre liebreizende Vielfalt unser Auge erfreuen”. Clusius hatte in den Diensten des Kaisers in Wien gestanden und dürfte einige Zwiebelsendungen vom kaiserlichen Gesandten in Istanbul erhalten haben. Ausserdem stand er mit Olivier Ghislain de Busbecq in Kontakt, der ebenfalls bei Hofe weilte. Clusius war ständig auf Forschungsreisen gewesen, bis ihn die einzige, im Jahr 1575 gegründete Universität der Niederlande, Leiden, an die medizinische Fakultät berief. Und er verschickte die Samen und Zwiebeln seines Gartens in ganz Europa an befreundete Gartenenthusiasten. Er dürfte die Person gewesen sein, die zuerst für eine weitere Verbreitung der Tulpe auf dem Kontinent gesorgt hat. Zudem pflanzte er seine erworbene Sammlung von Tulpenzwiebeln selbst an, studierte, erforschte und kultivierte sie bis zum Ende seines Lebens 1609 wie kein anderer – seine Forschungen veröffentlichte er 1576 in seiner “Historia”, sowie in seinem Meisterwerk “Rarorium Plantarum Historia”, erschienen 1601. Er katalogisierte darin bereits 34 Arten.Zunächst befindet sich die Tulpenzucht also in den Händen einiger weniger Enthusiasten und Sammler, die Blume aber gewinnt in den höheren, zunehmend wohlhabenderen Kreisen Hollands rasch an Beliebtheit, nicht zuletzt als Statussymbol und Zeichen des guten Geschmacks – sie kamen in Mode, und erzielten bereits beachtliche Preise. Aber erst der ungeheure Wohlstand Hollands im goldenen Zeitalter schuf den Hintergrund und die Voraussetzung für den unbeschreiblichen Verlauf, den die Geschichte der Tulpe und zugleich die Wirtschaftsgeschichte überhaupt nahm.Man muss vorausschicken, dass es in den Niederlanden dank ihrer puritischen calvinistischen Tradition keine Statussymbole herkömmlicher Art gab. Die unterschiedlichen Stände trugen strenges schwarz zu weissen Spitzenkrägen, wie sie noch heute in den Bürgerportraits Rembrandts zu finden sind. Überdies waren die Holländer überaus sparsam, man nimmt an, das Handwerker wie Händler mindesten ein Fünftel ihrer Ersparnisse übers Jahr zurücklegten, was eine ungeheure Konzentrierung von Investitionskapital bewirkte. Und so waren die höheren Stände und Gartenliebhaber durchaus bereit, hohe Summen für ihre Liebhaberein auszugeben. Die beliebtesten Tulpengruppen im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts waren die Rosen, Violetten und Bizarden, man züchtete etwa 400 verschiedene Arten, von denen allerdings eine zu den Begehrtesten gehörte, die „Semper Augustus“, die auf ihren Blättern von unteren blauen Nuancen zu von roten Flammen durchbrochenem Weiss an der Blütenkrone bedeckt war. Sie war derart selten, dass Exemplare on ihr schlicht nicht erhältlich waren – nicht zuletzt deshalb, weil sie Opfer des Mosaikvirus war, dessen Einfluss unbekannt war. Sie war schlicht nicht züchtbar – ein reines Zufallsprodukt, heute ausgestorben. Abbildungen von ihr finden sich noch heute auf Blättern der sogenannten Tulpenbücher, die für wenig Geld von renommierten Künstlern geschaffen wurden und als frühe Verkaufskataloge dienten. Die Grundlagen für eine beispiellose Hausse waren vorhanden.Tulpen waren ein knappes Gut, und mit Zwiebeln der selteneren Arten waren innerhalb eines Jahres über 400 Prozent Wertsteigerung zu erzielen – und so gewann die Blumenzucht immer mehr Anhänger, sie hofften auf ein leichtes Geschäft mit ungeheurer Rendite: Eine Schnittblume soll ihren Besitzer in der Anfangsszeit des Booms für tausend Gulden gewechselt haben, in einer Zeit, als der Tagessatz eines einfachen Handwerkers ein paar Stüver betrug. Tulpenliebhaber fanden sich unter wohlhabenden Kaufleuten, die sich der ebenfalls neuen Mode der Landhäuser hingaben und ihre Parks mit Tulpenbeeten verschönerten. Der Kaufmann Jacob Poppen etwa hatte sein Vermögen im Indien- und Russlandhandel verdient und hinterliess nach seinem Tod 1624 das schier unermessliche Vermögen von 300000 Gulden.Um 1633 waren Tulpen dann dank der Bemühungen der Gärtner überall erhältlich und ein handelbares Gut, und das Drama nahm seinen Lauf. „Wer nur irgendwie konnte,“ so Mike Dash, „investierte in Tulpenzwiebeln, und viele machten mangelndes Startkapital durch die Bereitschaft wett, ihren Besitz zu investieren“. Die Holländer wurden Opfer ihrer beiden hervorstechendsden Eigenschaften: Dem Hang zu sparen und dem zu spielen.Im Sommer 1633 wechselte ein ganzes Haus in Hoorn den Besitzer für drei Tulpenzwiebeln, zum ersten mal wurden Tulpen als Zahlungsmittel eingesetzt. Ab 1634 führte steigende Nachfrage zu immer höheren Preisen, bis sich im Winter 1636 der Wert einiger Zwiebeln in fast einer Woche verdoppeln konnte. In nur zwei verrückten Monaten war das ganze Land im Tulpenrausch und viele Niederländer steckten ihr gesamtes Vermögen in den Handel mit dem fragilen Produkt. Die „Semper Augustus“ kostete im Jahr 1633 5500 Gulden und 1637 bereits 10000 Gulden.Doch es ging noch weiter. Mike Dash: „Mit ihrer Zustimmung, Blumenzwiebeln zu verkaufen, die monatelang nicht geliefert werden konnten, schufen die Tulpenhändler das, was man heute Terminmarkt nennen würde“: Ein Händler setzt den zukünftiegn Wert einer Ware, indem er verspricht, an einem festgelegten Termin irgendwann in der Zukunft einen genau festgelegten Preis für die Ware zu bezahlen – ein überaus riskantes Unternehmen. Es entstand eine fieberhafte Manie. Zum Vergleich: Eine Tulpe im Wert von dreitausend Gulden in anderen Waren hätte insgesamt kaufen können: Acht fette Schweine, vier fette Ochsen, zwölf fette Schafe, 24 Tonnen Weizen, 48 Tonnen Roggen, zwei grosse Fässer Wein, vier Fässer Bier, zwei Tonnen Butter, 500 Kilo Käse, einen silbernen Kelch, einen Ballen Stoff, ein Bett mit Matratze und Bettzeug und schliesslich ein Schiff.Ort der Transaktionen waren Hinterzimmer von grösseren Gasthäusern gewesen, bei denen reichlich Wein und Bier floss, was nicht gerade die Rationalität des Handels förderte.Doch in der ersten Woche im Februar 1637 w
ar alles vorbei. Ein Pfund der Art „Witte Croons“ wurde für 1250 Gulden angeboten – und niemand kaufte. Der Markt brach innerhalb von Tagen zusammen – und Holland war ruiniert. Der Maler Jan van Goyen hatte sich derart verspekuliert – um nur einen zu nennen – dass er zahlungsunfähig war. Neben einem Schuldenberg von 897 Gulden hinterliess er mehrere ausgezeichnete Landschaften, von denen viele vermutlich nicht gemalt worden wären, wenn er sein Glück im Tulpenhandel hätte machen können. Er war das letzte bekannte Opfer des Tulpenfiebers. Der Traum vom schnellen Geld dank Floras reichen Gaben war vorbei.
Kim Wempe Interview
Januar 18th, 2008 | stazol

Link: http://www.wempe.de
Kim Eva Wempe
1. Welchen Schmuck tragen Sie heute?
Ich trage eine 80 cm lange Rhythmuskette in Rotgold mit unterschiedlich großen Elementen. Am Ende ist eine Öse angebracht an der meine Glücksbringer hängen: ein Glückspfennig und ein rotgoldener Kieselstein Tempus Fugit Amor Manet. Am Finger unseren Ring Helioro BY KIM und einen champagnerfarbenen Diamanten in der Solitaire-Fassung Krone BY KIM, Solitaire Ohrringe und eine Rolex Oyster – selbstverständlich alles in Rotgold.
2. Gibt es ein Schmuckstück, das Sie immer tragen?
Nein. Ich trage die Schmuckstücke passend zum Anlass und zur Kleidung.
3. Eines, das Sie sich noch wünschen würden?
Einen Diamanten in Tropfenform, lupenrein, drei Karat. Auf einer Schiffsreise an den Nordpool bin ich mit dem Ring an die Reling gestoßen und habe den Stein, ein Geschenk meines Mannes, nicht mehr wieder gefunden.
4. Der Trend zu grossen, farbigen Steinen scheint immer mehr zuzunehmen.
Wie reagiert Wempe darauf?
Wir haben im letzen Jahr eine Reise nach Brasilien unternommen und vor Ort Farbedelsteine gekauft. Ein großer Bericht findet sich im Wempe Magazin Nummer 05, das im Juni 2007 erschienen ist. Auch haben wir eine Farbedelsteinfibel aufgelegt.
Unser Schmuckatelier fertigt schon seit mehr als 5 Jahren individuelle Colliers mit großen Farbedelsteinen unter dem Label BY KIM.
5. Stimmt es, dass Frauen beim Schmuckkauf immer selbstbewusster werden?
Geht der Trend zur Powerfrau, die sich ihren Traum allein verwirklicht und auch selbst bezahlt?
Ja, diesen Trend gibt es, wenn auch nicht in so starker Ausprägung wie in Italien. Dort kaufen sich die Frauen ihren Schmuck viel häufiger selbst.
6. Was sind zur Zeit die Renner bei Ihren Kunden?
Lange goldenen Ketten mit unterschiedlich großen Elementen und der Ring Colonna mit rosafarbenem und dunkelgrünem Turmalin.
7. Wempe ist mittlerweile weltweit vertreten. Gibt es Ihrer Ansicht nach regionale, geschmackliche Unterschiede auf dem internationalen Markt bei den Kundenwünschen?
International gibt es sehr wohl Unterschiede. Amerikaner, Spanier und Franzosen sind in Ihrer Schmuckauswahl verspielter und traditioneller.
8. Gibt es eine Farbe, auf die Ihre Kunden besonders “fliegen”?
In Deutschland ist es Blau.
9. Was war das wertvollste Schmuckstück, das Wempe je veräussert hat?
Das Collier, das zum 125-jährigen Firmenjubiläum angefertigt wurde, hatte einen Wert von 595.000,00 Euro. Die Besonderheit war die Verarbeitung eines sehr seltenen roten Diamanten.
10. Was ist gegenwärtig das teuerste Stück, das Wempe anbietet?
Im Schmuckbereich ist es Ring 10 Karat für 500.00,00 Euro.
11. Welche Rolle spielen eigene Entwürfe für Ihr Haus?
Eine sehr große Rolle. Der Anteil der eigenen Schmuckstücke BY KIM am Gesamtumsatz ist in den letzen Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen.
12. Hat es, seitdem Sie Juniorchefin der Firma sind, für Sie ersichtliche Moden bei den Kundenw=FCnschen gegeben?
Selbstverständlich, aber die Zyklen sind nicht so schnelllebig wie in der Mode. Außerdem lässt sich ein Diamant auch ganz leicht in eine andere Fassung einarbeiten.
13. Ist Wempe weiterhin auf Expansionskurs?
Ja, wir ziehen eine Expansion in USA in Erwägung.
14. Wie wichtig ist der Uhrenmarkt für Wempe?
Die Uhren machen 70% unseres Umsatzes aus, jedoch nur 40% auf die gesamt verkaufte Stückzahl gesehen.
15. Haben Sie einen Tip für Kunden, die in Schmuck als Wertanlage investieren wollen?
Schmuck sollte nicht als Wertanlage gekauft werden, sondern als eine bleibende Erinnerung an außergewöhnliche Momente im Leben
16. Hat Wempe Ihrer Ansicht nach eine bestimmte Nische im Markt erobert?
Gibt es etwas, das Wempe besonders auszeichnet?
Wir haben mit unserer Schmuckkollektion BY KIM den Nerv der Zeit getroffen und bieten höchstes Niveau in Punkto Verarbeitung und Liebe zum Detail.
Im Uhrenbereich bieten wir nur 18 Marken an und wählen sorgfältig das Sortiment aus, so dass der Kunde in jeder Preislage die beste Qualität und das beste Design erhält.
17. Sehen Sie einen zukünftigen Trend zum Thema Schmuck allgemein?
Ich sehe einen Trend zu Rotgold und großen Farbedelsteinen. Der Schmuck soll die Individualität der Trägerin betonen.
18. Wie klären Sie die Provenienz der von Ihnen verarbeiteten Juwelen?
Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit denselben Steinhändlern zusammen. Und wer die Branche kennt, weiß, dass hier noch der Handschlag gilt.
19. Kann man bei Wempe auch mitgebrachte Steine individuell fassen lassen?
Selbstverständlich. Unsere Designerin erstellt nach den individuellen Kundenwünschen eine Auswahl an Zeichnungen. Sobald der Kunden sich entschieden hat, wird ein Wachsmodell erstellt und der Kunden kann das Schmuckstück “ausprobieren”. Erst dann wird der Ring in Gold oder Platin gearbeitet.
20. Woher beziehen Sie Ihre verwendeten Steine hauptsächlich?
Diamanten aus Antwerpen und Farbsteine aus Idar Oberstein, dem Weltzentrum für Farbedelsteinhandel.
21. Welche Bedeutung haben Farb- bzw. Halbedelsteine im Sortiment von Wempe? Den Begriff Halbedelstein verwenden nicht mehr, da er irreführend ist. Wir sprechen von Farbedelsteinen.
Seit zwei Jahren eine immer größere.
22. Haben Sie einen Traum, den Sie gerne noch verwirklichen möchten?
Ja, gemeinsam mit meinem Mann und meinen Kindern auf Weltreise gehen.
reader´s wishes – tyra banks
November 10th, 2005 | stazol
Thursday, November 10, 2005, 18:34
it is with some funny feelings that i heard the complaint of a friend of mine that this weblog does not contain an essay every day – and he was right: but an essay needs some inspiration, and it is not easy for a writer to come up with a theme every day when everytime he opens a newspaper he can only report bad news in it, is it? so bear with me, i shall have an idea in no time at all, and be it only the news today that tyra banks left the runway forever – i interviewed her once, and she was very nice, i can tell you. so i am a bit sad that she gives up modelling forever. also if you, dear reader, have a special wish to be written about, feel free to let me know in the comments-field – my productivity knows no bounds!
nordic film festival
November 5th, 2005 | stazol
Saturday, November 05, 2005, 13:22
in lubeck, the crown jewel of hanse cities, i found myself with the adorable karsten and my finnish friend timo valtonnen in the presence of several scandinavian ambassadors at the opening in one of the renaissance churches – the premiere film was as depressive as danish stories can get: totschlag, the story of a teacher who protects his younger and loved female pupil, who sadly turns out to be a terrorist, from prosecution, loses his job, his wife and family and his reputation – and, who would have thought, after losing his terror-lover, he loses his mind.
if you were looking for something more uplifting, i have three words for you: hahaha. the lars von trier manderley was so bad, that even my adorable karsten uttered something of never seeing another trier-movie again, while i went outside and vowed the same. oh happy hollywood – i confess that i want to be amused in cinema. so sorry indeed!
return of the fur coat
Oktober 24th, 2005 | stazol
Monday, October 24, 2005, 14:38
it is with some surprise that i have to report the return of the fur coat in male fashion this season, a suspicion i already had when i attended the hugo boss show lately and saw a full-lenght mink on one of the long haired models, only later realizing that it was a male model and the hip swinging fur was obviously intended for the not-so-fair sexes.
having been in the eye of the anti-fur-campaign-storm of PETA and the like not so long ago and being in the posession of several furs, all inherited, old and with the suicide notes of the animals on the record (no, really, the mink of my late greatfather was only worn in deepest winter, basically falls apart if not constantly mended and is over thirty years old), I once had the pleasure of entering a publishing house through a throng of greenpeace-demonstrators. it did not really help that i wore gucci-pythons and i felt instantly bad, suddenly remebering that at home there are two zebra-skins on the floor, one champagne-cow and a bedsheet of at least 24 white snow-rabbits. call me conservative, but being of slim built i trust during the harsh berlin winters and the foggy days of hamburg, not to speak of the ski-slopes of gstaad and the icy bahnhofstreet in zurich in granddaddys mink as the only resolve of my slim and trim body not to freeze on the spot. i once bought a shorter rabbit-fur jacket from dolce & gabbana, when i had some spare money, heeding my mother´s somewhat ironic words that “a fur holds for alifemtime”, thereby giving fuel to the suspicion that she intends to reincarnate several times, according to the shere quantity of coats that she and her mother interchange, present to each other and buy fresh every year.
there must be a campaign of the international fur-lobby that has outgrown the anti-fur-initiatives on a greater scale.
gucci astrakhan coat
a friend of mine, being confronted on the runway with the aforementioned coat looked into the eyes of her husband with a funny face and said: “don´t you dare to cross the street in one of these” – he guiltily looked at his feet and i felt the trembling lust of his male vanity to once, only once give vent to his playboy feelings in some plebejan surroundings. i myself have experienced snickers and bickering on the main shopping streets in hamburg, usually by men looking like moving lycra-tents themselves in colours that would enable them to be found easily by rescue-teams should they happen to be in an accident on sea or in the mountains alike – i did not heed them, being brave and and usued to the less fashionnables remarks. not even my own father, a rather conservative man, ever remarked on my fur in a disregarding way – he is evidently used to his extravagant offspring, and i am in the possession of some very revealing black-and-white fotos showing him with 25 years and unmistakably with the hair of elvis. perhaps we have a gentlemens agreement without even knowing it.
in the new issue of german gq style i counted twenty fur coats until i lost count, and not all looked worthy for a count or a count´s outfit. in the vogue homme international of autumn, also just off the press, one finds at least thirty pictures of fur coats on men, and if not full lenght and on the outside, then with fur trimmings or collars. thinking instantly of a production centering only on furs (should i at last be able to bring a publisher to the idea of a long needed men´s fashion mag in germany centering on trend and not so much on ageing barmen, anti-gay machos and bikini-spreads of 14year old russian women with body-implants and the “take-me-home-i´m-stark-naked-and -only-wait-for-a-rich-boring-german-middle-manager”): I was stunned to see one rather good one just on the news-stand, the otherwise remarkably dull FHM style, done, of all persons, by the ex-tenant of one of my apartments (he never paid on time, but all summed up in the end), XX YY, a talented photographer all right.
it was a spread showing basically naked men on horses draped in fur coats, and apart from their elegance and the admittedly phantastic vision of the ususal consumer being rather reluctant to get on a horse at all, apart from being naked under a fur, it gave one really valid piece of information: the price.
here my little trend report with the velocity of a greek play suddenly turns into a drama. let it be known that even the simplest rabbit-fur will cost you at least 3500 euro, a sum i can hardly believe since mine in 1996 cost about 900 deutsche mark or 450 euro. are rabbits that scarce nowadays or are fashionistas that greedy? has the price for skins exploded lately (i´ll do the research in a second and will keep you informed here)? the gucci cost around 11 000 euro and i can hardly wait to see one of the singing ghetto blasters of overseas run about in it, as if the czar never had to flee the winter palace and in the event changed his colour. eddy murphy in the prince of zamunda springs to mind, and let it be far from me to be politically incorrect, but i simply find these price tags bordering on the obscene nowadays. a coat in the reach of a small vehicle or the daily income of a third world country hardly seems to be the right answer to the already widening gap in society – or the appearance of fur coats for men might mark the beginning of the end, a final signal for the revolution.
sable coats
when and where can one wear it? these coats will be the mainstay of short visits into discotheques and posh restaurants, them being to warm to wear in a car. the disappearance of the fur was – let us remember – due to the fact that one did NOT ride out during winter, was usually not in the midst of siberia and spent most of the remains of the day in warm, air-conditioned houses. the astrakhan-jacket of armani would perhaps be a conditio-sine-qua-non for some bangladeshi potentate visiting the outskirts of earthquake-stricken cashmere, but in europe and in other surroundings than new bond street or the champs elysees it will surely raise some eyebrows. and rightly so.
it is the fashion, ok. but why? since fashion very seldom works without cause, there is, in my view, only one explanation: the rising oil price. since many central heatings will have to be turned off more often, modern man thinks ahead and buys himself some self-sufficing, efficient, portable heating system. and it costs the equivalent of a modest houses winter supply of heating oil. makes sense, somehow. or doesn´t it?
Weltanschauung einkaufen
Oktober 16th, 2005 | stazol
Das Kaufhaus wird zur Stätte der ästhetischen Bildung. Läden reichern ihr Angebot mit Dingen an, die ins Museum gehören: Raritäten, Kunst, Vorträge
Von Harald Stazol
Manchmal nimmt die Besessenheit von schönen Dingen solche Formen an, dass man einen Laden damit aufmacht: Peter Kempe aus Hamburg hat es getan, zusammen mit einem Freund, und nun kann man ihn sehen, werktags, wie er von Barcelona-Sesseln und weißem Meißener Porzellan umgeben auf Kundschaft wartet. Die kommt, sagt er im Vertrauen, und zahlt, sagt er, noch vertraulicher, doch ganz beträchtliche Preise: Für eine Bettwäschegarnitur aus handgenähtem französischen Leinen schon mal 4000 Mark, dafür schläft man auf der Aussteuer-Ausstattung von Maria Callas und Gracia Patricia. Mit der Hoffnung auf Ruhm über Nacht und der Gewissheit, dass wenigstens die Wäsche ewig hält. “Aber das Springseil dort kostet 25 Mark, so eins hat schon Max Schmeling gehabt”, und es wird, so versichert man, noch heute von Boxern benutzt. Einziehen möchte mancher Kunde schon mal in den Laden, was nicht nur am original Bauhaus-blauen Estrich liegt, auch an den vollsilbernen Lampen aus den Zwanzigern und am fast achtlos in die Ecke gestellten Stahlrohr-Klappsessel mit bläulichem Eisengeflecht. Das Konzept von “Kuball und Kempe” (Alter Fischmarkt 11) richtet sich gegen Massenware und Ramscherei, ist ein kleiner Aufschrei der Ästhetik in einer Welt von Ikea-Regalen und Billigwaren.
“Kuball und Kempe” reiht sich ein in jene handverlesene Geschäfte, wie sie plötzlich vermehrt in den Metropolen der Welt auftauchen. Die eine orientierungslos umherirrende Kundschaft zwischen 25 und 45 Jahren vor Augen haben, “mit ein wenig Geld und dem Sinn fürs Ausgefallene”, wie Peter Kempe sich ausdrückt. Menschen, die in Stilfragen beraten werden müssen, die einer Erziehung in Ästhetik bedürfen, “denen man die Tradition nahe bringen muss”.
Sie finden all das in Läden, die ein wenig ausgefallener sind, etwas ausgesuchtere Ware führen (zu natürlich etwas ausgesuchteren Preisen, versteht sich). Und wer solch weihevollen Ort aufsucht, der wähnt sich schon mal im Museum, nicht nur der Preise wegen. Denn die Läden sind eigentlich nur eine logische Fortführung des Gedankens vom “Sammeln und Bewahren”: Nicht umsonst hat das Museum of Modern Art in New York einen großen Shop: Man bedient sich dort, wenn schon nicht am Original, so zumindest an dessen Abbild, den Drucken, Fotografien und Bildbänden, um nach dem Museumsbesuch wenigstens einen Hauch von Moderne und Objekt mit nach Hause nehmen zu können.
Bei “Colette” in Paris (213 Rue Saint Honoré)
liegt in Glasvitrinen der Glasperlenschmuck von Jade Jagger neben japanischer Mini-Unterhaltungselektronik, einem Taschenfernglas von Zeiss, Jena, und den letzten Turnschuh-Entwürfen von Nike und Adidas – es sieht ein wenig aus, als hätte ein in der Internetbranche kurz zu Geld gekommener Teenie sein Jugendzimmer geöffnet. Die Web-Site gibt staatstragend bekannt, dass der Sportaustatter Lacoste Poloshirts in limitierter Auflage nur bei “Colette” vertreibt, je 212 für beide Geschlechter, mit silbernem Krokodil. Die Preisschilderchen, in Francs, Dollar, Yen, DM und Euro tabelliert, schreien förmlich nach Bourbon. Doch wären sie nicht, man fühlte sich ans Prager Kuriositätenkabinett von Kaiser Rudolf II. erinnert, komplett mit Hofzwergen und Alchimistenküche: Ein im Geheimen waltender Sammler erspart dem Betrachter die Weltreise und hat die schönsten Dinge zusammengestellt, wohlfeil und eben käuflich.
In New York bei “Guilde des Orfèvres Ltd.” (225 Fifth Avenue, Suite 1102) steht vor weißgewaschener Wand in Stahlregalen das handbemalte Rokoko-Service “Rocaille” von KPM neben Küchenutensilien von Philippe Starck, ganz selbstverständlich und mit jenem Hauch von Exklusivität versehen, der dem Käufer beim Kauf eine gewisse Genugtuung verleiht. Man nimmt sich vor dem Hintergrund der überquellenden Verkaufsstände bei “Bergdorf Goodman” und übers Land wuchernder Shopping Malls gewissermaßen freiwillig zurück, verzichtet auf das Konsum-Füllhorn zu Gunsten einer Stil-Oase.
Im Departmentstore des Berliner “Quartier 206″ (Friedrichstraße 271) wird regelmäßig ein “Literarisches Frühstück” veranstaltet, bei dem Autoren über Mode, Lifestyle und die Inszenierung des Alltags diskutieren. Die Requisiten dazu kann man dann unter demselben Dach erwerben: englische Rasierseifen (Taylor of Old Bond Street, Court Hairdressers), Krawatten des Pariser Herrenaustatters Charvet, Prada-Kosmetik oder Taschen von Lulu Guiness, vereint mit der üblichen Berliner Geschäftstüchtigkeit, an der Friedrichstraße den Touristenmassen Zigarrettenspitzen feilzubieten, die sie beim Kiosk am Ku’damm zehn Prozent billiger haben könnten: Es geht ja auch ums Einkaufserlebnis.
Ein Kopenhagener Händler hat sich auf die skandinavischen Designklassiker der Nachkriegszeit spezialisiert: Bei “Klassik”, (Christian IX’s Gade 5) nicht weit von Schloss Rosenborg, stehen Prototypen von Paul Kjaerholm einträchtig neben altem Silberbesteck von Georg Jensen, ausschließlich Stücke, deren Wert in zehn Jahren das Doppelte betragen dürfte.
Und so erklärt sich das Prinzip jener seltenen Läden des Handverlesenen wohl am besten: Sie sind die Schwelle jener wenigen Dinge, die gleich nach Serienreife schon zum Klassiker werden. Kleiner Stückzahlen, die dem Besitzer zumindest kurzfristig die Illusion geben, nicht bloß Käufer, sondern Kenner zu sein. Sie sind Stätten der Labsal für die Überdrüssigen einer Überflussgesellschaft, Kurorte des Konsums, die Ausstatter des Elfenbeinturms. Schade nur, dass das Motiv der Bauhaus-Bewegung, Gutes für Alle, noch immer unerfüllbar scheint. Aber Gucken kostet ja nichts.
Sunday, October 16, 2005, 17:45












