Archive for Februar, 2010

the return of the gucci loafer

Februar 21st, 2010 | stazol

… a definite must this spring, preferably in white!

Me, Kate and Alexander McQueen

Februar 18th, 2010 | stazol

@05 Lauftext:
Es ist, als hätte ein Meteorit in die Modewelt eingeschlagen, „einer der strahlendsden Sterne ist erloschen“ schreibt die „Times“, die New Yorker Fashion Week steht unter Schock: Alexander McQueen (40) begeht Selbstmord. Niemand weiss warum, neun Tage zuvor starb seine über alles geliebte Mutter, sein Verhalten, so sagen es enge Freunde sei letzlich „erratisch“ gewesen. Grossbritannien, genauer, seine Modewelt, gerade erst, vor 15 Jahren etwa, auf der Weltbühne erschienen, durch ihn, das Genie im Schottenrock, „Givenchy ist irrelevant“ hat er mal gesagt, nun, sie wird untergehen. Nicht gleich, nicht sofort, aber der Leichnahm des „Meisters des Phantastischen“ um 14.46 Uhr unter kastanienbrauner Decke weggetragen wird, vor seinem Haus, Rotklinker, sechs Stockwerke, Green Street in Mayfair – dort hat er gelebt. In einem Apartment, für das er von seinen geschätzt 20 Millionen Pfund 640000 ausgab – dieser Mann war die Hoffnung. „Er war ein Genie“, sagt Katherine Hamnett, Kate Moss, seine enge Freundin sagt alle Termine ab und sitzt zuhaus und weint. Sie war seine Brautjungfer, als er auf der Höhe seines Ruhms auf der Yacht eines afrikanischen Prinzen den Dokumentarfilmer Georg Forsythe heiratet – die Beziehung scheitert kurz danach. Vor dem Stadthaus in Mayfair steht ein blonder, kurzhaariger Mittdreissiger, er weint, er telefoniert, sein letzter Freund.
Alexander McQueens Geburtsstunde ist seine Schau „Highland Rape“, er schickt Models in Karos, messerscharf geschnittenen Röcken und Jacken über den Laufsteg, Mädchen, die aussehen, als wären sie gerade von englischen Kolonialtruppen vergewaltigt worden, die Saison Herbst/Winter 1995 – niemand im Publikum unter dem Zelt der London Fashion Week wird diese Schau je vergessen. Es ist, als hätte Coco Chanel nie gelebt. Zwei Wochen später, auf den Schauen in New York werden sich vor Ralph Lauren an der Madison Avenue die Journalisten atemlos zuraunen, dass es da ein „new hot kid“ aus London gibt. Die tiefst ausgeschnittenen Hosen, die er kreiert, beeinflussen die Jeansschnitte bis heute.
Scheu war er, der Sohn eines Taxifahrers und einer Lehrerin, das sechste Kind, mit 8 weiss er, dass er schwul ist, mit 16 fängt er als Schneiderlehrling bei Gieves & Hawkes an, später geht er zu Anderson & Sheppard, hier ist es, das er ins Ärmelfutter für einen Anzug des Prinzen von Wales die Worte „I am a cunt“ schreibt – man übersetzt es besser nicht. Als er sich für eine Stelle an der renommierten St. Martin´s School of Design als Tutor für Schnittmuster bewirbt, legt man ihm nahe, dort zu studieren. Und dann geschieht es: Eine Frau sieht seine erste Kollektion, Isabella Blow, die Dame, die bei ihrem Blatt, dem „Tatler“, schon mal mit einer öltropfenden Motorradkette um den Hals erscheint. Sie ist es, die die ganze Kollektion vom weg Fleck kauft, sie wird seine engste Freundin, bis sie 2007 wegen einer Krebsdiagnose Unkrautvernichter trinkt, Gerüchte über einen Bruch zwischen den beiden entbehren jeder Grundlage. Von da an geht alles sehr schnell. Es gelingt ihm diese so seltene Verbindung in der Mode: Avantgarde und dennoch kommerziell erfolgreich zu sein. 1996 ruft man ihn zu Givenchy, er folgt John Galliano, wo er die schwarzen Kleidchen, die einst Audrey Hepburn trug, zum Entsetzen der Pariser Kundinnen durch wilde Fetzen ersetzt. „Es interessiert mich nicht, ob ich gemocht werde“, sagt er einmal. Dann, im Jahr 2000, verkauft er 51 Prozent seiner inzwischen etablierten eigenen Linie an die Gucci Group, wird dort Kreativdirektor und sehr reich – Mama Joyce kauft er sogleich ein Haus. Eigentlich ist er jetzt auf der Höhe seines Ruhms, er lässt sich mit Naomi Campbell ablichten, seine Kleider finden an Gwyneth Paltrow, Cameron Diaz, an Beoncé und Lady Gaga weltweit auf den roten Teppich – und eigentlich könnte es immer so weitergehen, jeder behauptet jetzt sein Freund zu sein, bis zu jenem tragischen 11. Februar eben. Und eine Frage bleibt, und sie ist traurig: Da, als er sie am meisten gebraucht hätte, seine „Freunde“, in der schlimmsten Woche seines Lebens, in dem Moment, da er sich die Schlinge um den Hals legt – wo sind sie denn jetzt, an jenem Tag? Dem Tag, an dem er sie am dringendsden braucht? Au revoir, Alexander. Du wirst uns fehlen!
HARALD NICOLAS STAZOL

Weil´s so schön war: der Butler von Lady Diana

Februar 5th, 2010 | stazol

Vermutlich amüsiert
Wenn Königinnen vergesslich werden rollen im Volk die Köpfe: Elisabeth Windsors Erinnerungsvermögen, so scheint es, kann Menschen ins Gefängnis bringen. Oder auch nicht. Je nachdem. Wird den Steuerzahler Anderthalb Millionen Pfund kosten. Prozesskosten. England tobt. Der Guardian, lange schon Gegner der Monarchie, schäumt: „Sollte die Königin tatsächlich einen Augenblick blendender, plötzlicher Wahrnehmung gehabt haben, im Fond der königlichen Limousine, dann keine Sekunde zu spät.” Sieben Jahre wären es gewesen, im Höchstfall, für den Butler Paul Burrell. Er ist jetzt 44, wäre mit 51 rausgekommen, aus einem der überfüllten viktorianischen Gefängisse Englands. Majestät haben ja auch wirklich viel zu tun. Da kann man leicht vergesslich werden. Vor allem, wenn es nur um einen Butler geht: „Man weiß nie, woran man bei ihnen ist”, schreibt etwa Brian Hoey, ein ehemaliger königlicher Page, „Am besten bleibt man so formell wie möglich. Ihre Freundlichkeit währt, solange du nützlich bist. Aber sie lassen dich nie vergessen, dass du nur dienst.”
Der Gärtner ist ja immer der Mörder, aber dass Dianas Butler kein Dieb war, es ist nun entschieden. Jedenfalls vor Gericht. Viel schneller, als erwartet. Der Prozess? Eine königliche Farce. Ein ganzes Land macht sich lächerlich. Es gibt Parlamentsanfragen. Na ja, den Versuch. Sie werden niedergeschlagen, sofort, weil man den Souverän nicht in Frage stellen darf. Europa, im November 2002.
Paul Burrell, will schon immer dienen. Als er acht Jahre alt ist und die Changin of the Guards zuschaut, ist er begeistert: „Ich werde hier arbeiten” sagt er seinen Eltern, eine Lastwagenfahrer für Kohlen aus Derbyshires Minen und einer Putzfrau. Zum Prozess trägt der Vater weiße Schuhe. Paul studiert Hotel-Management, bekommt Angebote vom Royal Household und von der Reederei Cunard. Den Brief von Cunard bekommt er nie zu sehen. Seine Mutter verbrennt ihn. Er arbeitet sich nach oben. „Footman Number Five” ist die unterste Charge des Palastes, der Schuhputzer. „Page of the Presence” kommt dann, „Page of the Chamber”, dann, höchste Weihe, der „Page der Hintertreppe”, der Mann, der der Königin dient.
Als Diana sich trennt, macht sie eine Liste der Dinge, die sie behalten will. Burrell ist ganz oben auf der Liste. Als sie stirbt, fürchtet man um seine geistige Gesundheit. Er fliegt zur Leiche, identifiziert sie, weiß, dass sie es ist, „an den roten Fußnägeln”. Kleidet sie für die Beerdigung. Verbrennt die blutigen Kleider in seinem Garten. Irgendwann in dieser Zeit muss er die Audienz haben. Der Königin sagen, dass er Dinge behält. Aus Sicherheitsgründen. Sie ist die Hauptzeugin. Wenn sie sich erinnert, gibt es keinen Fall. Elisabeth Windsor, Verteidigerin des Glaubens, erinnert sich nicht. Zwei Jahre lang. Nach dem letzten Job als Fundraiser für Dianas Minenprojekt ist Schluß für Burrell. Noch 3000 Pfund, dann byebye. Er schreibt ein Buch mit Tipps über´s Bananenessen mit Messer und Gabel, hat einen Blumenladen und 160 000 Pfund Steuerschulden. Nun kriegt er wohl 400 000 Pfund für seine Story. Vom Daily Mirror und vom Fernsehen. Wird nichts sagen über die Königen. Diana. Oder die Familie. Aus lauter, lauterer Loyalität.
Old Bailey, Court Nr. 1. Hier wurde Oscar Wilde verurteilt. Christine Keeler angeklagt. Es ist ein wenig wie bei Freissler: Ein veritabler Schauprozess. Denn hier geht es um mehr. Dass die Regenbogenblätter brüllen, jeden Tag an jedem Kiosk, ist gewöhnlich. Dass die Abendnachrichten erste Meldungen bringen, schon weniger. Amerikanische Zeitungen üben sich in Vorverurteilung: „Warum hat er es getan?”, fragen Kollegen von über´m Teich. „Deswegen gibt es hier eine Verhandlung” antworten entsetzt die Europäer. Hoffen, nie in die Fänge des amerikanischen Rechtssystems zu geraten. Oder des britischen.
Mit normalen Maßstäben ist Diana längst nicht mehr zu messen. Glaubt man den Schlagzeilen, steht das Volk kurz vor der Lynchjustiz. „Butler stahl Dianas Schätze” brüllen die — es war wohl alles rechter Schrott. Nur weil der Prinzessinnen-Mythos so groß ist und ihre Fans so verrückt, wird in den Augen des Staatsanwalts jede CD-Hülle zum Landesverrat.
Hier wird etwas anderes verhandelt. Es geht, wie immer in England, um die Demokratie. Um Adel gegen Volk, wenn man so will.
Deswegen wird einer der brilliantesten Verteidiger des Königreichs, aufgeboten: Lord Alex Carlile. Graue Schläfen, hoher Wuchs, scharfer Blick, drängt er sich durch die Reporter: „Entschuldigung, wie Sie sehen habe ich eine Perücke auf, ich darf das. Oder ist das bei ihnen auch ein Perücke?” Er ist ein Mann des Volkes, ehemaliger Labour-Abgeordneter aus einer Familie von Parlaments-Reformern, spät geadelt. Ein Redner vor dem Herrn. Ein Superhirn, da sind sich alle einig, hinten, auf der Zuschauerbank. Sowas braucht er, der Butler. Denn er ist keins. Das kann man wohl so sagen. Bei allem Respekt.
Und deswegen verteidigt er, der Verteidiger. Gewitterartig blitzen die Argumente, immer pfeilschnell ahnen Mylord Gefahr, rasend hetzen die Sätze. Dafür ist Carlile berühmt. Ganz zu Anfang, kurz, nachdem man die Jury auswählt, arme Untertanen, die eigentlich mit insgesamt fünf Wochen mindestens rechnen müssen. Ganz unschuldig sind, sitzen müssen, auf der Jury-Bank, links, jeden Tag. „Denken Sie Gürtel und Hosenträger”, sagt Judge Rafferty, „gehen Sie ganz sicher, dass sie die nötige Zeit haben.” Wobei, so sagen die Kollegen von der BBC, jeder Yuppie einen Skiurlaub anführen kann, der nicht zupass kommt, und er darf gehen. Königs kommen nie.
Lord Carlile schickt sie raus. Immer. Alle zwölf. Wenn er zum Beispiel sicher gehen will, dass die Nacktfotos der Prinzen, die hatte er nämlich, der Butler, als Negativfilm, nicht zu seltsamen Zwecken gehortet wurden. „Wollen mein edler und gelehrter Freund”, so nennt man den Staatsanwalt besser und verbeugt sich, „wollen er zur Kenntnis nehmen, dass dies nicht aus niederen, sexuellen Motiven gar, geschah.” Und als die Jury wieder reinkommt (erheben, verbeugen, setzen), wird sie folglich in Kenntnis gesetzt, dass Paul Burrell womöglich alles war, aber wohl kein Päderast.
Lord Carlile verteidigt einen Chancenlosen. Solange Elisabeth schweigt, auf verlorenem Posten. Einen Mann, der seine Manieren zu Geld macht. Seine Hingabe an ein verwöhntes, weitestenteils kindisches Oberschicht-Girl zum Beruf. Und seine Unterwürfigkeit vermutlich zu Liebe.
Wer hat in Schröders Deutschland denn noch Kammerdiener? Wer ahnt denn in England noch etwas vom Vertrauen der Herrschaft in die rechte Hand, die Perle? Jeder Ehemann weiß, wie frischgebrühter Kaffee sorgsam bereitet Wunder wirkt. Wer wollte es ihm, dem Butler, verdenken? „The rock, meinen Felsen”, hat Diana ihn zwar wohl nie genannt. Auch so eine Erfindung der Klatschspalten. Ihre Mutter nannte sie manchmal „My rock and star”. Aber mit der hat sie die letzten vier Monate ihres Lebens auch nicht mehr geredet.
Dass eine ganze gesellschaftliche Klasse von der Anbetung der Massen lebt wie eine Popstar-Riege und über den Tod hinaus zum Geschäft werden kann — das wird hier verhandelt. Es geht um Marktwert. Weil eine staubige CD-Hülle bei Sotheby´s Millionen wert ist, wenn Diana auch nur einen Filzstiftkringel draufgemacht hat. Der Butler, eine schwache Dienstbotenseele, wie sie jedes Vereinsheim kennt, jede Hausfrau mit Putzfrau, jedes Fünf-Sterne-Hotel, ist wahrscheinlich schlicht überfordert. Paul Burrell, gerade hat er sich in der Gerichtskantine im zweiten Stock vor der Thermoskanne mit Kaffee schon wieder verbeugt, ist wahrscheinlich der höflichste Mensch der Welt. Aber eben überfordert.
Nicht von der Versuchung. Vom Ramsch.
Das erste Corpus Delicti, mit ihm kommt der Stein ins Rollen. Eine Unsäglichkeit von einem goldenen Adler, geschenkt von einem arabischen Scheich. Taucht in einem Antik-Laden auf. Staatsgeschenk? Kitsch? Wollte sie es loswerden? Eine Frau, die beim Anblick der Flugzeugeinrichtung ihres letzten Verehrers, Dodi Al Fayeds, so berichtet ihre beste Freundin Rosa Monckton, einen Lachanfall bekam? Wegen dem ganzen Protz?
Ihre Kleider. Unendlich viele. Geschenkt von Designern, maßgefertigt von Versace, etc, etc. Allein den Überblick zu wahren. Klar, dass sie´s irgendwann verkauft hat. Unter der Hand. Und klar, dass der Butler damit betraut war. Wer auch sonst? Und wie denn bitte zurückkommen, mit so einer Unsäglichkeit, die womöglich im Second-Hand-Laden hängt wie Blei, weil ja das Namensschildchen fehlt. „Sorry, Mylady, das wollte keiner?” Einer ohnehin überlasteten Frau noch weitere Sorgen machen? Unmöglich! Also wegverstauen. Und wer will entscheiden, ob der leibliche Bruder, Earl Spencer, mehr Recht darauf hat, ein hübsches Sümmchen daraus zu schlagen, im profitablen Diana-Museum? Mehr Recht als der Butler? Der jeden Tag, in guten, wie in schlechten Zeiten, mit ihr zusammen war?
Zwei Familien streiten um England. die Spencers, die Windsors. Die einen haben endlich einen Thronerben, ganz wie bei Shakespeare: Dianas Sohn William, 21. Wie fühlt er sich, wenn die Liebesbriefe seiner Mutter verlesen werden, öffentlich? „My Darling Wombat” — geliebtes (australisches) Kuscheltier?
Wer Hitchcockfilme kennt, „Zeugin der Anklage”, der weiß, wo Marlene Dietrich stand. Wo sie zitterte. Hier wurden Todesurteile gefällt. Zuletzt 1956. Der weiß jetzt, wo Dianas Mutter sitzt. Lady Shand Kydd. Eine Dame, die weiß, was sich gehört. Ihre Ladyschaft braucht fünf Minuten am Gehstock um allein in den Zeugenstand zu kommen. Den Holzvertäfelten. Gleich neben den fünf hohen Lehnstühlen. In jenem hohen Raum, vor dem höchsten Gericht des Vereinigten Königreichs.
Der mittlere Stuhl bleibt immer leer, hier sitzt im Geiste der Lord Mayor of London, und eigentlich die Krone, in diesem Fall Elisabeth Regina, Verteidigerin des Glaubens. Aber da es im Fall Regina vs. Burrell um Familienangelegenheiten geht, Familie gegen Butler, ist sie natürlich nicht da. Die Königin. In ihrem eigenen Gericht erscheinen. Wäre ja noch schöner. Auch die Prinzen, Charles, William, Harry, müssen nicht kommen. Obwohl sie doch Opfer sind, des diebischen Butlers. Jedenfalls für die Dauer der Verhandlung. Königs, vor Gericht. Wäre ja noch schöner.
Gedroht hat Lord Carlile. Mit „einigen interessanten Vernehmungen”. Er hätte wahrscheinlich die Prinzen in den Zeugenstand geholt. Wenn man ihn gelassen hätte. Drei Tage lang geht er in den Pausen mit Burrell durch die St. Pauls Cathedral, vom Gericht links um die Ecke. Der zittert aus Loyalität. Will nicht auspacken. Mylord werden das „nie vergessen”. Burell stellt sein Wohl hinter das seine Königin. „Die Königin und Prince Charles hatten nicht unbedingt das Wohl von Burrell im Auge”, schreibt Stephen Bates im Guardian, „Es gibt wichtigere Dinge zu schützen.”
Hochkompliziert, das englische Der Staatsanwalt, der ehrenwerte William Boyce, QC, lugt unter seiner Perücke hervor und erhebt Anklage im Namen des Staates. Im Namen der Königin. Aber eben nicht im Namen der Person Elisabeth.
Das Schwert über dem Kopf von Richterin Rafferty — sie leitet strengsten Vorsitz, ganz in rot – stammt aus dem Jahr 1516, wird bei Gelegenheit tatsächlich vor ihr hergetragen. Schlug einmal Köpfe ab. Der Mann in lila Samt und schulterlanger Perücke, der manchmal von rechts kommt wie aus einer überkandidelten Wetterstation, ist der Sheriff von London. Der Mann hat das Hausrecht hier. Er wohnt oben, irgendwo unter dem riesigen Dom des Gerichtshofs, in einem chicen Apartment aus dem 18. Jahrhundert, und isst täglich mit seinen Richtern dort Mittag. Bedient, so ist zu hoffen, von weniger diebischen Butlern.
Doch dazu eben die Verhandlung. Fair, dafür sorgt Judge Rafferty. Einmal, als sie aufsteht, und die Reporter und das Publikum oben, rechts unter Decke, wie eine Schulklasse flüstern, dreht sie sich um. Bleibt wie angewurzelt stehen. Mit gerunzelter Braue, leicht vorgebeugt. Als könnte sie einfach nicht fassen, was grade passiert. Sofort kehrt Ruhe ein. Sie geht, nein, schreitet ab. Elisabeth die Erste mag so gegangen sein, an William Shakespeare vorbei.
Dianas Mutter, Frances Shand Kydd, 66, hat nächtelang Dokumente geschreddert. Im Kensington Palast. „Er hat sie dabei mit Erfrischungen unterstützt”, sagt Lord Carlile, „mit einer Flasche Wein, und einem Glas.” Ihre Ladyschaft antwortet: „Mag sein. Ich erinnere mich nicht.” Natürlich, Hoheit. Wer bemerkt denn schon einen Butler? Und wer, Majestät, mit Verlaub, erinnert sich schon an ein Gespräch mit einem Dienstboten? Und vor allem: Wann? Immer erst dann, wenn der Tower droht?
HARALD STAZOL

Es ist ein Trauerspiel…

Februar 5th, 2010 | stazol

.. wie sehr das Schweizer Bankgeheimnis erodiert wird: Aber mein Konto finden die nie!

Dem neuen Roman von John Grisham “The Associate”, wenn ich nicht irre…

Februar 4th, 2010 | stazol

…entnehme ich, dass die Amerikaner Pläne für einen Stratosphärenbomber haben, der innerhalb der Atmosphäre beschleunigt, um dann ausserhalb der Stratosphäre die Atmosphäre als Sprungkissen zu benutzen. Der Flieger ist nicht zu orten oder abzuschiessen, in dieser Höhe, unmöglich. Innerhalb von 24 Stunden kann er überall auf der Welt zuschlagen und zurückfliegen, ohne aufzutanken. Im Buch kostet die Anschaffung 800 Milliarden.

Die Handlung des Romans ist wieder – wie bei Grisham nicht anders – alas! Hèlas! – zu erwarten – in der Welt der Anwaltskanzleien angesiedelt, ein junger Mann, Kyle, wird erpresst, zum Spion zu werden. Grisham packt von der ersten Seite an und man lernt eine Menge über die Perfidie der US-amerikanischen Gesellschaft, komplett mit süchtigem Millionärssöhnchen. So gut muss einer erstmal stricken können!