Archive for Januar, 2008
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style&andthefamilytunes
Januar 19th, 2008 | stazol
style&andthefamilytunes january/february issue
China Design Now
Januar 19th, 2008 | stazol
look out for the next issue of Style&thefamilytunes, Berlin, and my article on the upcoming exhibition of Chinese Design in the
style&andthefamilytunes january/february issue
Kim Wempe Interview
Januar 18th, 2008 | stazol

Link: http://www.wempe.de
Kim Eva Wempe
1. Welchen Schmuck tragen Sie heute?
Ich trage eine 80 cm lange Rhythmuskette in Rotgold mit unterschiedlich großen Elementen. Am Ende ist eine Öse angebracht an der meine Glücksbringer hängen: ein Glückspfennig und ein rotgoldener Kieselstein Tempus Fugit Amor Manet. Am Finger unseren Ring Helioro BY KIM und einen champagnerfarbenen Diamanten in der Solitaire-Fassung Krone BY KIM, Solitaire Ohrringe und eine Rolex Oyster – selbstverständlich alles in Rotgold.
2. Gibt es ein Schmuckstück, das Sie immer tragen?
Nein. Ich trage die Schmuckstücke passend zum Anlass und zur Kleidung.
3. Eines, das Sie sich noch wünschen würden?
Einen Diamanten in Tropfenform, lupenrein, drei Karat. Auf einer Schiffsreise an den Nordpool bin ich mit dem Ring an die Reling gestoßen und habe den Stein, ein Geschenk meines Mannes, nicht mehr wieder gefunden.
4. Der Trend zu grossen, farbigen Steinen scheint immer mehr zuzunehmen.
Wie reagiert Wempe darauf?
Wir haben im letzen Jahr eine Reise nach Brasilien unternommen und vor Ort Farbedelsteine gekauft. Ein großer Bericht findet sich im Wempe Magazin Nummer 05, das im Juni 2007 erschienen ist. Auch haben wir eine Farbedelsteinfibel aufgelegt.
Unser Schmuckatelier fertigt schon seit mehr als 5 Jahren individuelle Colliers mit großen Farbedelsteinen unter dem Label BY KIM.
5. Stimmt es, dass Frauen beim Schmuckkauf immer selbstbewusster werden?
Geht der Trend zur Powerfrau, die sich ihren Traum allein verwirklicht und auch selbst bezahlt?
Ja, diesen Trend gibt es, wenn auch nicht in so starker Ausprägung wie in Italien. Dort kaufen sich die Frauen ihren Schmuck viel häufiger selbst.
6. Was sind zur Zeit die Renner bei Ihren Kunden?
Lange goldenen Ketten mit unterschiedlich großen Elementen und der Ring Colonna mit rosafarbenem und dunkelgrünem Turmalin.
7. Wempe ist mittlerweile weltweit vertreten. Gibt es Ihrer Ansicht nach regionale, geschmackliche Unterschiede auf dem internationalen Markt bei den Kundenwünschen?
International gibt es sehr wohl Unterschiede. Amerikaner, Spanier und Franzosen sind in Ihrer Schmuckauswahl verspielter und traditioneller.
8. Gibt es eine Farbe, auf die Ihre Kunden besonders “fliegen”?
In Deutschland ist es Blau.
9. Was war das wertvollste Schmuckstück, das Wempe je veräussert hat?
Das Collier, das zum 125-jährigen Firmenjubiläum angefertigt wurde, hatte einen Wert von 595.000,00 Euro. Die Besonderheit war die Verarbeitung eines sehr seltenen roten Diamanten.
10. Was ist gegenwärtig das teuerste Stück, das Wempe anbietet?
Im Schmuckbereich ist es Ring 10 Karat für 500.00,00 Euro.
11. Welche Rolle spielen eigene Entwürfe für Ihr Haus?
Eine sehr große Rolle. Der Anteil der eigenen Schmuckstücke BY KIM am Gesamtumsatz ist in den letzen Jahren um mehr als 10 Prozent gestiegen.
12. Hat es, seitdem Sie Juniorchefin der Firma sind, für Sie ersichtliche Moden bei den Kundenw=FCnschen gegeben?
Selbstverständlich, aber die Zyklen sind nicht so schnelllebig wie in der Mode. Außerdem lässt sich ein Diamant auch ganz leicht in eine andere Fassung einarbeiten.
13. Ist Wempe weiterhin auf Expansionskurs?
Ja, wir ziehen eine Expansion in USA in Erwägung.
14. Wie wichtig ist der Uhrenmarkt für Wempe?
Die Uhren machen 70% unseres Umsatzes aus, jedoch nur 40% auf die gesamt verkaufte Stückzahl gesehen.
15. Haben Sie einen Tip für Kunden, die in Schmuck als Wertanlage investieren wollen?
Schmuck sollte nicht als Wertanlage gekauft werden, sondern als eine bleibende Erinnerung an außergewöhnliche Momente im Leben
16. Hat Wempe Ihrer Ansicht nach eine bestimmte Nische im Markt erobert?
Gibt es etwas, das Wempe besonders auszeichnet?
Wir haben mit unserer Schmuckkollektion BY KIM den Nerv der Zeit getroffen und bieten höchstes Niveau in Punkto Verarbeitung und Liebe zum Detail.
Im Uhrenbereich bieten wir nur 18 Marken an und wählen sorgfältig das Sortiment aus, so dass der Kunde in jeder Preislage die beste Qualität und das beste Design erhält.
17. Sehen Sie einen zukünftigen Trend zum Thema Schmuck allgemein?
Ich sehe einen Trend zu Rotgold und großen Farbedelsteinen. Der Schmuck soll die Individualität der Trägerin betonen.
18. Wie klären Sie die Provenienz der von Ihnen verarbeiteten Juwelen?
Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit denselben Steinhändlern zusammen. Und wer die Branche kennt, weiß, dass hier noch der Handschlag gilt.
19. Kann man bei Wempe auch mitgebrachte Steine individuell fassen lassen?
Selbstverständlich. Unsere Designerin erstellt nach den individuellen Kundenwünschen eine Auswahl an Zeichnungen. Sobald der Kunden sich entschieden hat, wird ein Wachsmodell erstellt und der Kunden kann das Schmuckstück “ausprobieren”. Erst dann wird der Ring in Gold oder Platin gearbeitet.
20. Woher beziehen Sie Ihre verwendeten Steine hauptsächlich?
Diamanten aus Antwerpen und Farbsteine aus Idar Oberstein, dem Weltzentrum für Farbedelsteinhandel.
21. Welche Bedeutung haben Farb- bzw. Halbedelsteine im Sortiment von Wempe? Den Begriff Halbedelstein verwenden nicht mehr, da er irreführend ist. Wir sprechen von Farbedelsteinen.
Seit zwei Jahren eine immer größere.
22. Haben Sie einen Traum, den Sie gerne noch verwirklichen möchten?
Ja, gemeinsam mit meinem Mann und meinen Kindern auf Weltreise gehen.
Prunk und Protz – Juwelen
Januar 18th, 2008 | stazol
Es gibt Frauen, die tragen einmal Juwelen und schon lösen sie einen Trend aus: Als Marylin Monroe “Diamonds are a Girls best friend” sang, begann ein noch heute anhaltender Run amerikanischer Mädchen auf die weissen Feuer der Brillianten, und bis heute manifestiert sich die Ernsthaftigkeit eines Heiratsantrags an der Grösse und Reinheit des dargebotenen Solitairs im Verlobungsring aus.

Und natürlich trug auch Audrey Hepburn in Truman Capote´s Frühstück bei Tiffany ihren Teil dazu bei. Wenn die Woolwortherbin Barbara Hutton ihre Diamantarmbänder fallen liess, löste sie bei ihren Freunden und Schmarotzern kleine Erschütterungen aus.
Prinzessin Diana aber war zu wahren Erdbeben fähig. Als die Princesse of Wales auf einem Empfang ein Saphirkollier eng um den Hals zu einem atemberaubend kurzen und dekolletierten schwarzen Trägerkleid trug, damit aus einem Jaguar der königlichen Autoflotte sprang, die Treppen eines englischen Landsitzes hinauf, an einem wunderbaren Sommerabend Mitte der Achtziger Jahre, da lichteten hunderte Fotografen diesen Moment ab, das Bild ging um die Welt und der Trend auf grosse, farbige, kostspielige Steine war geboren.
Es ist fraglich, ob Dianas Lächeln von dem einzigartigen Glanz der Steine erhöht wurde, oder der grosse, zentrale Saphir im Cabochonschliff von mindestens zwanzig Karat, ein Geschenk der Queen, von ihrem Antlitz erstrahlte – ohne Frage ist, dass die Lust der Weiblichkeit weltweit auf grossen, möglichst farbigen Schmuck seitdem und seit Jahren auf ein neues Hoch zustrebt, das seinen Zenit noch nicht ganz erreicht zu haben scheint.
Eine typische, junge, sagen wir, New Yorkerin träumt von einem rubinroten, kanariengelben oder tiefblauen Cocktailring, den sie sich, und das ist neu auf dem Juwelenmarkt, nach Möglichkeit von ihrem eigenen Geld kauft. Hingucker sind gewünscht, je mehr Karat, desto besser. Brillantumkränzt, in Gold oder Platin gefasst, von Cartier, Piaget oder Graff. Die grossen Juweliere kommen diesem Kundenwunsch nach und stellen ihr Sortiment seit Jahren um: Kolliers, Ohrgehänge und immer wieder zuckerstückgrosse Ringe – Hauptsache überdimensional und farbig. Auch die erschwinglicheren Halbedelsteine – die den Edelsteinen farblich oft in nichts nachstehen – erleben so eine Renaissance: Citrin, Topas, Granat, Amethyst, Karneol, Türkis oder Lapislazuli, von denen die transparenten inzwischen als Farbsteine gelten, kommen dem Run auf reine Grösse entgegen. Hans Stern, ein hochkarätiger Juwelen-Doyen reinsten Wassers (der gerade 85jährig verstarb, ein unersetzlicher Verlust für die Fachwelt) sagte dazu treffend: “Es gibt keine Halbedelsteine, genauso wenig, wie es halb schwangere Frauen oder halb ehrliche Menschen gibt” – und 1971 gab ihm das Gemological Institute of America Recht. Die Kollektion Rainbow von H.Stern ist denn auch ein wahres Feuerwerk von Halsketten und Armbändern: Die Steine sind in den Farben des Regenbogens nebeneinander angeordnet und changieren von zartestem Hellgelb über Grün und Rot zum Bläulichen hin – für die Trägerin die reine Augenweide.
Eines der schönsten Beispiele für eine glückliche Verbindung von Farb – und Edelsteinen dürften die beiden Armreifen sein, die Gloria Swanson 1932 bei Cartier erwarb: Brillianten sind dort mit eisblauen Bergkristallscheiben vermählt und die beiden Steinarten ergänzen und erheben sich gegenseitig auf das Wundervollste. In dem 1950 gedrehten Filmklassiker “Sunset Boulevard” trägt sie die Reifen an beiden Handgelenken.
Ritz Fine Jewellery aus London präsentierte vor kurzem mit ähnlichem Effekt einen Ring wahrhaft epischen Ausmasses in seiner Auslage, einen “yellow fancy diamond” im Kissenschliff, umkränzt von weissen Steinen, aus Platin, von dessen Preis man diskret schweigt, und der Juwelier Hirsh, ebenfalls mit Sitz in London, schwelgt in einem Rubinkollier tropfenförmiger Steine zu 7,60 Karat, “a fabulous collection of rubies”, begleitet von 10,41 Karat “feiner Diamanten im Brilliant- und Birnenschliff”, Preis ebenfalls auf Anfrage. Graff, auch London, ist stolz auf “the most fabulous jewels in the world”, die wundervollsten Juwelen der Welt, und untermauert diesen Anspruch mit einem nur aus herzförmigen Diamanten geschaffenen Kollier, an dem ein riesiger, zartgelbfarbiger Stein von etwa 25 Karat hängt.
Warum der Juwelentrend häufig englischen Ursprungs ist? Die Nähe zum am längsten regierenden Königshaus Europas mag einer der Gründe sein. Die Royals tragen ihre Schätze ja ständig zur Schau. Weitere Gründe: Eine Klassengesellschaft, die in Grossbritannien noch Anlässe kennt, zu denen man sich mit Diademen schmückt – sowie natürlich die Tatsache, dass die Diamantenbörse in London die grösste der Welt ist und das fast monopolbeherrschende Konsortium De Beers dort seinen Sitz hat. Juwelen und Adel gehen seit Jahrhunderten eine enge Beziehung ein, und das reiche Bürgertum ahmt diese gerne nach. Weitere Trendhauptstädte sind Paris und New York und ihre dynamischen und frisch zu Geld gekommenen Oberschichten, die zudem gerne in krisensichere Werte wie Gold und Geschmeide eher langfristig investieren – abgesehen vom reinen Statuscharakter war Schmuck schon immer ein leicht transportierbares und schnell zu veräusserndes Asset.
Doch warum nun der neue Hang zur Farbe? Eine mögliche und logische Erklärung: Die immer puristischer werdende Mode. Schwarz, Braun, Grau oder Blau, propagiert vor allem von Gucci, Jil Sander, Calvin Klein und Prada, deren Entwürfe immer klassischer und auch konservativer werden. Die schlichten Kreationen haben zur Folge, dass auffällige, schwere Schmuckstücke viel eher Akzente setzen und die klaren Linien, die einfachen Schnitte auf den Laufstegen gewissermassen etwas auflockern, und die noch immer vorhandene Lust der Damenwelt auf Lichtes, Schillerndes und Leuchtendes auffangen. Ein ähnlicher Effekt liess sich im viktorianischen Zeitalter beobachten, als nach dem Tod des Prinzgemahls Albert der ganze Hof bis zum Tode Victorias schwarz trug und die Prachtentfaltung sich dafür in den Schmuckstücken entlud. Und noch heute ist es bei Juwelieren üblich, die Pretiosen auf möglichst dunklen Hintergründen, vorzugsweise Samt in Schwarz oder Nachtblau zu präsentieren.
Natürlich ist die Stunde des Regenbogens, wie sie die Manufakturen edlen Geschmeides in aller Welt ergriffen hat, nur eine Reprise des schon Dagewesenen. Der Juwelen-Experte David Bennett, der in der Branche den Spitznamen “Mister 100 Karat” trägt, weil er bei Sotheby´s selten kleiner Steine unter dem Hammer hatte, schreibt in seinem Grundlagenwerk “Understandig Jewellery”: “Um 1870 überschwemmten Diamanten indischer Provenienz den Markt derart, dass die Kundinnen statt kleinerer, oft minderwertiger Stücke lieber zu den grösseren, lupenreinen Brillianten übergingen.” Um die Jahrhundertwende “wurde die Technik der Schmucksteinfassung derart vervollkommnet, dass die Fassungen selbst immer mehr in den Hintergrund traten und völlig neuartige Entwürfe ermöglichten – die Betonung lag von nun an auf den Pretiosen selbst, eine Entwicklung, die heute in nahezu unsichtbar montierten Steinen ihren Höhepunkt findet.”
Eine der Sternstunden des Farbsteines dürfte das grosse Durbar in Delhi 1903 gewesen sein, als sich der britische Hochadel zur Feier der Krönung Edward VII. zum Kaiser der Kronkolonie Indien selbst eingeladen hatte. Die Maharadschas, Moguln und Fürsten des Subkontinents hatten sich und ihre Ehefrauen über und über mit den schönsten Juwelen bedeckt, sie tropften förmlich von Rubinen, Diamanten aller Couleur, grünstrahlenden Smaragden und tiefblauen, kirschkerngrossen Saphiren – und den Engländern kam eine Gepflogenheit des Landes reichlich zugute: Sobald eine der englischen Ladies sich mit Komplimenten über die Pretiosen ihrer kolonisierten Gastgeber ergingen, gebot und erforderte es die indische Höflichkeit, die Edelsteine mit typischer orientalischer Geste der lobenden Dame zu übereignen. Zahllose Geschmeide wechselten so den Besitzer, um die ureigenst indische Grosszügigkeit zu manifestieren (und auch eine gewisse Lässigkeit, man hatte ja unendliche Ressourcen zuhause im Palast) – die Engländer bereicherten sich nahezu hemmungslos, und viele Familien des Adels gründeten zu dieser Zeit ihre oft beachtlichen Sammlungen. Eine Maharani jedoch rächte sich später auf ganz besondere Weise: Die Herzogin von Windsor, Gattin und Grund für den Thronverzicht ihres Mannes, des Herzogs und ehemaligen König Edward XVIII., erschien auf einem Ball in New York mit einem fantastischen Smaragdkollier um den Hals. Eine indische Adelige, die ihr bei dem Empfang vorgestellt wurde, sagte mit einem Funkeln in ihren Augen: “Oh, Hoheit, ich kenne diese Steine. Ich trug sie allerdings an meinem Fussgelenk!”
Um 1930 herum erreichte die Begeisterung für Smaragde, Rubine, Saphire und Aquamarine die Juweliere weltweit, wie das beeindruckende “Hindu-Collier” von Cartier zeigt, das die Millionenerbin Daisy Fellowes erwarb und zu dem in der Monographie “Cartier 1900 – 1939″ des Metropolitan Museum of Art lapidar vermerkt wird, dass die Steine von der Kundin alle geliefert wurden – nicht umsonst hat man den Stil solcher Farbenpracht “Tutti Frutti” genannt, ein Blick darauf genügte zur völligen Erblindung.
Ihren bislang filmischen Höhepunkt aber dürfte die Hausse der farbigen Juwelen in einer wahren Apotheose weiblicher Schmuckbegeisterung gefunden haben, dem Epos “Casino” in wahrhaft hockarätiger Hollywood-Besetzung: Sharon Stone wird von ihrem Filmgatten Robert DeNiro zur Hochzeit mit einem ganzen Safe-Inhalt edelster Bulgari-Pretiosen überhäuft, in dem sie auf ihrem Bett völlig begeistert förmlich badet. Und dann stellt sie wohl die Traumfrage jeder Frau, die Juwelen liebt: “Darf ich das alles auf einmal tragen?”
Und natürlich darf sie…
Weiss und Heiss – Perlen
Januar 18th, 2008 | stazol
Reicher Perlenschmuck – welche Frau kann da schon wiederstehen? “Wer Perlen will, der muss ins Meer sich stürzen” sagte schon Johann Wolfgang von Goethe – aber zum Glück kann man sie heute auch trockenen Fusses erringen. Die Weltliteratur hat Perlen schon früh zum tragenden Thema erkoren. Thomas Mann schreibt in einer Schlüsselszene seiner Erzählung “Tod in Venedig”, wie der Schriftsteller Gustav von Aschenbach auf den Beginn des Diners im luxuriösen “Hotel des Bains” wartet. Eine grau-weiss gekleidete Dame betritt die Halle – es ist die Mutter seines jungen Idols Tadzio. “Die Haltung dieser Frau war kühl und gemessen, die Anordnung ihres leicht gepuderten Haares sowohl wie die Machart ihres Kleides von jener Einfachheit, die überall da den Geschmack bestimmt, wo Frömmigkeit als Bestandteil der Vornehmheit gilt. Sie hätte die Frau eines hohen deutschen Beamten sein können. Etwas von phantastischem Aufwand kam in ihre Erscheinung einzig durch ihren Schmuck, der in der Tat kaum schätzbar war und aus Ohrgehängen, sowie einer dreifachen, sehr langen Kette kirschengroßer, mild schimmernder Perlen bestand…”

Es ist dies die wahrscheinlich berühmteste Perlenkette der Literatur, die in einfachen Worten die drei Haupteigenschaften der “Tränen der Meere” auf sich vereinigt. Zum ersten: Es gibt kaum einen eleganteren Schmuck in der Garderobe einer Frau, als das vorzugsweise im Kerzenschein getragene leichte Schimmern in schmelzigem Weiss. Zum zweiten: Der diskrete Luxus, den die Perlen der Trägerin verleihen. Perlen waren und sind der unauffälligste Schmuck, der sich denken lässt. Drittens: Ihr purer Wert. Man kann für Perlen phantastische Summen ausgeben, sie werden seit Generationen als Wertanlage geschätzt und finden sich im Besitz zahlreicher Königshäuser. Eine besonders schöne Tiara wohl russischen Ursprungs gehört zu den Kronjuwelen des Hauses Windsor: Sie ist im wesentlichen ein Gehänge mit sehr grossen, sehr seltenen tropfenförmigen Perlen und kann mit einer weiteren Reihe hochstehender Perlentropfen montiert werden: So wurde sie von Queen Mary gertragen, in schlichterer Form schmückt sie die Queen zu öffentlichen Anlässen. Eine “Schwester” zu diesem Diadem befand sich im Besitz einer Familie des russischen Hochadels, der Youssoupovs (der letzte Prinz Youssoupov war einer der Mörder Rasputins) – sie wurde 1925 von den Bolschewiken in einer geheimen Schatzkammer gefunden und zu einem überirdischen Preis in westliche Devisen verwandelt. Es gilt seitdem als verschollen, dürfte sich aber im Safe einer amerikanischen Millionenerbin befinden. Der phantastische Wert solcher Schätze liegt in der Tatsache begründet, dass sie vor der Verbreitung von Zuchtperlen in den 20er und 30er Jahren entstanden: Vorher erzielten auch einzelne Stücke legendäre Preise, wie sie sich etwa in den “Kronenperlen” befinden, die die junge Prinzessin Elisabeth anlässlich ihrer Hochzeit mit Prinz Philip Mountbatten geschenkt bekam: Es handelt sich dabei um eine Kette von 46 Perlen aus dem Nachlass Königin Annes sowie eine weitere Schnur aus 50 Perlen, die Königin Caroline, der Gattin Georgs II. gehörten. Ihr Wert lässt sich aus der Tatsache ersehen, dass sie von der Familie Hanover zurückverlangt wurden, ein Anspruch, den Königin Victoria schlicht zurückwies.
Um 1890 kam die Mode mehrerer, eng um den Hals geschnürter sogenannter “Choker” auf, zu denen zusätzlich bis weit über die dekolletierten Büsten reichende Perlenschnüre angelegt wurden. Königin Alexandra konnte so eine Narbe an ihrem Hals diskret cachieren, und das reiche Bürgertum kopierte diesen Stil dankbar.
Perlen sind seit Urzeiten eine ernstzunehmende Wertanlage, und die Memoiren der ungarischen Gräfin Karolyi “Aufbruch und Wiederkehr” belegen dies eindrucksvoll. Bei ihrer Flucht vor den Kommunisten 1919 entkam sie nur knapp über die Grenze zur Tschechoslowakei und rettete ein Halsband von 370 Perlen, das ihrer Familie im Exil zu einem Neuanfang verhalf. Sie trug es zuletzt als Modistin eines Pariser Couturiers, als ihre Arbeitgeberin sie auf das Kollier ansprach: “Kurz darauf bewunderte sie meine Perlen, und um sie irrezuführen sagte ich: ´Sie sind schöner als echte: Sie haben schon viele getäuscht.` Sie aber liess sich nicht hinters Licht führen. Scharf sah sie mich an: ´Ich weiss, wie echte Perlen aussehen. Mich können Sie nicht beschwindeln.` Die Gräfin verkaufte sie schliesslich an einen Berliner Händler: “Er reichte mir einen Zettel, auf dem sein Juwelier den Schätzwert notiert hatte. Es war der Höchstpreis – genau die Summe, die mir ein Juwelier in der Londoner City genannt hatte, die aber, wie er hinzugesetzt hatte, nur schwer zu erzielen sei…”
Heutzutage sind schöne Halsketten deutlich erschwinglicher geworden. Das Zürcher Auktionshaus Ineichen etwa ruft am 16. November 2007 unter Lot. 515 ein sehr schönes Exemplar “weisser Südsee-Zuchtperlen 15,30-12 mm im Verlauf” zu 5900 – 9000 Schweizer Franken auf. Ein weiteres Angebot dunklerer Tahiti Zuchtperlen unter Lot. 518 “silberfarben bis petrolfarben schimmernd” wird schätzungsweise 1900 – 2900 Franken erzielen.
Die Entwicklung einer Perle beginnt im sogenannten Austernsack, meist durch eine Irritation wie etwa einen schalentragenden Parasiten. Die Auster beginnt dann mit der sukkzessiven Ablagerung des Kristalls Aragonit (Calzium-Carbonat) mittels des organischen Materials Conchiolin. Die Kristalle werden einem Schindeldach vergleichbar aufgeschichtet, was den einzigartigen Lüster einer Perle erklärt. Bei Zuchtperlen wird meist ein winziger Perlmuttkern künstlich in die Auster gesetzt, der unter Röntgenbestrahlung deutlich sichtbar ist – die sicherste Art, sie zu erkennen. Künstliche Perlen verraten sich noch leichter, durch eine sehr viel ältere und traditionellerer Prüfung: Wenn man die echte Perle oder auch Zuchtperlen an den Vorderzähnen reibt, fühlen sie sich rau an – Perlenimitationen sind völlig glatt. Echte Perlen sollten eine gute Farbe und einen schönen Lüster haben – die besten schimmern in rosiger Blüte – und die Oberfläche, auch Haut genannt, sollte perfekt und völlig ohne Tadel sein. Je schöner Farbe und Lüster sind, desto höher ist ihr Wert. Grosse natürliche Perlen dieser Art sind immernoch extrem wertvoll – aber auch “cultured pearls”, also Zuchtperlen von einem Durchmesser über 10 mm erzielen Höchstpreise. Halsketten exorbitanter Qualität haben auf Auktionen schon über 1 Million Dollar gebracht.
Die Perlen aus dem “Tod in Venedig” könnten übrigens jetzt schon um ihre Berühmtheit fürchten: Den Superlativ der Superlative dürfte zur Zeit das Perlenkollier “Number One” aus der Kollektion “One of a Kind” des Familienunternehmens Gellner sein. Es besteht aus 29 weissen Südsee-Zuchtperlen von sensationellen 17-21 Millimetern Durchmesser. Diese Masze stellen einen Höhepunkt der Perlenzucht dar. Bislang wurden “nur” bis zu 16 Millimeter erreicht. Das Kleinod stammt aus einer der bekanntesten Farmen Australiens, “Cygnet Bay Pearls”, und der Züchter hat für diesen wahren Schatz sieben Jahre lang die grössten und schönsten Perlen gesammelt. Durchaus Grund für einigen Stolz bei Gellner: “Ein so individuelles Perlenschmuckstück gibt es zur Zeit kaum auf der Welt.” Und so nimmt es nicht Wunder, dass das Kollier noch auf einen Käufer wartet – zum sagenhaften Preis von 1,3 Millionen Euro. Und bei Gellner sammelt man bereits an einer “Number Two”. Man darf also weiter gespannt sein, auf den nächsten Traum aus der Südsee…













